Sozialer Wohnungsbau in Aidlingen stößt auf Unmut

Bürgerversammlung: Gemeinde stellt Sozialwohnungsbauprojekt nicht nur für 60 Flüchtlinge vor

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    An der Kreisstraße zwischen Aidlingen und Dätzingen soll in gehöriger Entfernung zur Wohnbebauung auf Höhe des Verkehrszeichens der Neubau entstehen / Foto: Schmidt

Ob Flüchtlinge in Anschlussunterbringung oder Familien und Alleinerziehende. Für beide Bevölkerungsgruppen will Aidlingen günstigen Wohnraum schaffen. Auf der Bürgerversammlung am Dienstagabend präsentierte Bürgermeister Ekkehard Fauth das Sozialwohnungsbauprojekt, das als Solitärbau am Aidlinger Ortrand geplant ist.

Artikel vom 13. Juni 2018 - 16:40

Von Holger Schmidt

AIDLINGEN. Der favorisierte Standort für die Unterbringung von rund 60 Personen in Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen in einem zwei- oder dreigeschossigen Gebäude ist im Bereich der Aidlinger Ortsausfahrt, an der Kreisstraße in Richtung Grafenau.

Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen und auch andere mögliche Standorte keineswegs vom Tisch, verkündete Bürgermeister Ekkehard Fauth in der Sonnenberghalle vor gut 100 Zuhörern.

Bei einigen Anwesenden stieß das Projekt jedoch auf strikte Ablehnung. Von "Kasernierung" sprach ein Bürger und warf der Gemeinde vor, "sie zentralisiert Flüchtlinge". Die derzeitige Praxis sei eine andere, hielten Bürgermeister Fauth Schultes und Ursula Kubin dagegen. Die zuständige Leiterin des Familienbüros berichtete, wie es bislang "richtig gut" gelungen sei, derzeit 135 geflüchtete Personen überwiegend aus dem arabischen Raum dezentral und ganz ohne Containerlösungen oder Hallenbelegungen in Aidlingen und den Teilorten Dachtel, Deufringen und Lehenweiler unterzubringen. Nur sei nun angesichts weiterer aufzunehmender 38 Personen allein in diesem Jahr die Grenze erreicht und weiterer geeigneter Wohnraum auch für Obdachlose trotz flehender Appelle nicht mehr auf dem Markt. Denn es gebe noch genug Leerstände, weil nicht verkauft oder vermietet werde.

Ein Zwischenrufer warf Verwaltung und Gemeinderat "Heimlichtuerei" vor, weil die Bürgerschaft vor vollendete Tatsachen gestellt würden. "Basis für den Beschluss wird die heutige Bürgerversammlung sein", hielt der Schultes dagegen. Auch blieben die Kritiker augenscheinlich in der Minderheit. Denn andere Redner lobten ausdrücklich das vorgestellte Projekt und die bislang durchweg erfolgreichen Bemühungen der Gemeinde, Flüchtlinge unterzubringen und zu integrieren. Sie ernteten dafür viel Applaus.

Einziges weiteres Thema der Aidlinger Bürgerinformationsversammlung neben Flüchtlingsunterbringung und Sozialwohnungsbau war der anstehende dritte Bauabschnitt zur Sanierung der Ortsdurchfahrt. Dieser wird sich im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern durch die Zerlegung in Teilprojekte, angefangen mit der Sanierung der beiden Brücken über Aid und Würm noch in diesem Jahr, deutlich entspannen. Ampelregelungen statt Umleitungen reichten dabei völlig aus. "Es ist ganz wichtig, dass sie ihre Meinung sagen, bleiben sie kritisch", schloss Ekkehard Fauth nach rund eineinhalb Stunden die Veranstaltung.

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