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Gemeinsame Sorge um die Artenvielfalt

Umwelt-Staatssekretär Baumann besucht bei den Nachhaltigkeitstagen den Naturarzneihersteller Schoenenberger in Magstadt

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Artenvielfalt und Insektensterben standen bei den Nachhaltigkeitstagen Baden-Württemberg im Mittelpunkt vieler Aktionen. Für Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium, waren sie Anlass, den Naturarzneihersteller Schoenenberger in Magstadt zu besuchen.

Artikel vom 13. Juni 2018 - 14:48

MAGSTADT (red). Beim Umweltministerium gibt es einen Wettbewerb "Wildes Wachsen" - für den Schutz von Insekten im Hausgarten und Balkon und zahlreiche Preise für Kindergärten und Schulen zu gewinnen.

Was im Kleinen landesweit Nachahmer sucht, findet in und um Magstadt herum ein gutes Vorbild. Davon hat sich Andre Baumann vom Umweltministerium im Pflanzensaftwerk Schoenenberger und bei einem Gang über die Bio-Felder der Gärtnerei Winter überzeugen können. Auf großen Flächen bauen die Bio-Gärtner Heilpflanzen an, die in Magstadt direkt nach der Ernte verarbeitet werden.

Auf den Feldern, aber auch an den Rändern der Kräuterfelder zwischen Magstadt und Renningen, auf denen Salbei, Löwenzahn, Artischocke und Brennnesseln wachsen, summt und brummt es. Selbst auf dem abgeernteten, eher kahl wirkenden Brennnesselfeld, konnte Baumann, selbst studierter Biologe, erkennen, dass hier Heuschrecken zirpen. "Kein Wunder, denn auf einem Bio-Feld findet man, so eine Daumenregel, rund doppelt so viele Pflanzen- und Insektenarten wie auf herkömmlich bewirtschafteten Feldern", heißt es in einer Pressemitteilung des Magstadter Unternehmens.

"Die Liste der bedrohten Pflanzenarten und Insekten ist lang. Eine solche Erzeugerkette zwischen Anbau und Verarbeitung, die auch der Artenvielfalt zugutekommt, dürfte einmalig sein in Baden-Württemberg", so der Staatssekretär. Für das Unternehmen Schoenenberger sind die Bio-Flächen rund um das Pflanzensaftwerk unersetzlich, wie Dr. Thilo Haßler Leiter Wissenschaft bei Schoenenberger, dem Gast erläuterte.

"Als Hersteller von Naturprodukten sind wir auf intakte Ökosysteme und den Erhalt der natürlichen Ressourcen angewiesen. Wenn noch mehr Bio-Flächen in der Umgebung verloren gehen durch Straßen- und Siedlungsbau, haben wir ein Problem", so Haßler. Denn längere Strecken bedeuten ein höheres Risiko, dass die Frischpflanzen auf dem Transportweg verderben.

Ökologischer Mehrwert auf den vielen Feldern

Baumann interessierte sich auch für den technischen Umweltschutz. Schoenenberger hatte 2016 den Umweltpreis Baden-Württemberg für Unternehmen gewonnen. Ein Grund dafür war, dass in der Firma 100 Prozent Ökostrom eingesetzt wird. Ein Drittel davon wird selbst in der PV-Anlage auf den Dächern der Produktionshallen erzeugt.

Im Frühjahr unterzeichnete Schoenenberger die WIN-Charta, ein Zusammenschluss nachhaltig wirtschaftender Unternehmen in Baden-Württemberg. Zu dieser Nachhaltigkeits-Initiative gehört auch ein Plan, in dem das Unternehmen die weiteren Schritte für eine nachhaltige Entwicklung beschreibt. Dabei setzt Schoenenberger nach eigenen Worten auf weitere Verbesserungen bei der Ressourceneffizienz, beispielsweise bei der Energieeinsparung und dem Einsatz erneuerbarer Energien.

Staatssekretär Baumann konnte auf den Feldern selbst erfahren, dass man hier auch einen ökologischen Mehrwert generiert. In diesem besonderen Wirtschaftskreislauf vom natürlichen Rohstoff zum Bioprodukt bleibt nicht nur die Wertschöpfung in der Region, sondern es werden durch den vielfältigen Bioanbau "nebenbei" auch Ökosystemleistungen erwirtschaftet.

Diese dienen zur Förderung der Pflanzen- und Insektenvielfalt in und um Magstadt. Da Insekten die wichtigste Nahrungsquelle für Vögel und Fledermäuse sind, sind blühende Felder und Wiesen auch für diese Tiere wichtig.

"In vielen Initiativen setzt sich Schoenenberger dafür ein, dass das alte Kräuterwissen nicht verloren geht und dass das Bewusstsein für eine intakte Natur gefördert wird. Besonders wichtig ist es dabei, bereits im Kindesalter das Interesse an der Natur zu wecken. Gerne ist man deshalb zum Bildungspartner der Johannes-Kepler-Gemeinschaftsschule Magstadt geworden. Im Mai Schüler pflanzten die Schüler der 5. Klasse in einer Gemeinschaftsaktion mit dem Naturarzneihersteller und der Gruppe ,Lokalen Agenda 21' Kräuter am Naturerlebnispfad, heißt es weiter."