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Naturtheater Renningen: 99 Premieren in 65 Spielzeiten

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    Schaurig-schönes Abendstück: Graf Dracula (Angelo Serdar Basar), umgeben von seinen Vampirfrauen, gespielt von Lena Fränzel und Martina Lange

Während das Premierenfieber langsam ansteigt und die Schauspieler in ihren Kostümen im Längenbühl eifrig proben, hat der Vereinsvorstand des Naturtheaters Renningen sich die Mühe gemacht, die bisherige Zahl der Premieren zusammenzuzählen: Es sind demnach schon 99 in der 65. Spielzeit.

Artikel vom 24. Mai 2018 - 16:30

RENNINGEN (red/wei). Jubiläen im Verein sind wie ein runder Geburtstag. Man erinnert damit an den Ursprung und an die gesammelten Erfahrungen über die Jahre. Falls von den Gründungsvätern und -müttern noch jemand dabei ist, werden Anekdoten aus den Anfangsjahren und über manche unkonventionell gemeisterte Schwierigkeit der Vergangenheit erzählt. Jubiläen sind in der Regel Jahrestage, aber auch die runde Anzahl an Premieren, die ein Theaterverein auf dem Buckel hat, lässt sich feiern.

Der Verein Naturtheater Renningen wurde am 23. Januar 1954 gegründet. Im damaligen Protokoll steht kurz und knapp unter Punkt II. "Beschluss des Naturtheaters. Der Ausschuss kam klar darüber ein, endgültig das Naturtheater aufzubauen und zu spielen." Bei der Generalversammlung am 6. Februar wurde ermuntert: "Ein klein bisschen Mut und Wille, dann wird uns auch alles gelingen." Am 23. Juni 1954 um 15 Uhr war dann die erste Premiere mit dem Heimatstück "Die Orgelmacher".

Seit der Vereinsgründung sind 64 Stücke für Theater am Abend einstudiert worden. Im Jahre 1984 wurde erstmals ein Stück für Familien - der "Räuber Hotzenplotz" - auf die Bühne gebracht; bis Ende 2017 kamen so 34 Jugendstücke zusammen sowie die Saalinszenierung "Holzers Peepshow" im Jahr 2012. Die kommende Spielzeit bringt somit die 100. und 101. Inszenierung in der Vereinsgeschichte auf den Längenbühl.

"Ein Amateurtheater lebt vom Publikum, und kann deshalb in seiner Stückeauswahl dessen Erwartungen nicht ignorieren", weiß Naturtheater-Pressesprecherin Waltraud Kruse. Die Auswahl spiegle weitgehend den Zeitgeist wider. In den ersten Jahren kamen deshalb überwiegend historische Stücke und Heimatstücke auf die Bühne, danach wagte man sich an manchen Klassiker. "Die Räuber" von Friedrich Schiller stand 1968 auf den Werbeplakaten. In den 60er- und 70er-Jahren wurden Komödien, Lustspiele inszeniert, es ging weiter mit Schwänken, Volksschauspielen - die Erfolge waren wechselnd, wobei auch damals schon die Wetterlage nicht unwichtig war.

Ständige Professionalisierung

Die Vereinsgründer waren in den Anfangsjahren gleichzeitig Spieler, Kulissenbauer und Kartenverkäufer. Der 83-jährige Horst Pfeil erinnert sich: "Die Kulissen wurden von einem Team errichtet, das sich aus verschiedensten Berufsgruppen wie Schuster, Automechaniker, Schlosser, Elektriker, Zimmermann und Schmid zusammensetzte. Am Samstagmittag wurde aufgebaut, und da Spieler und Bühnenbauer identisch waren - nebenher geprobt." Das Naturtheater setzt inzwischen an den Schlüsselstellen Profis ein. Regie, Choreografie, Musik, Kostüme, Kulisse und Bühnenbild - alles soll professionell inszeniert sein. "Ohne diese Professionalisierung kann ein Amateurtheater heutzutage nicht überleben", weiß Pressesprecherin Waltraut Kruse. "Aber noch wichtiger sind die Motivation, das Engagement der Mitwirkenden, auf der Bühne und hinter den Kulissen."

Eine Premiere war in all den Jahren und wird auch in diesem Jahr der gelungene Höhepunkt der Vorbereitungen. Die Spieler proben seit Monaten, die Technik hat viele Einsätze hinter sich, die Kulissenbauer sind fertig, der Bühnenbildner wird noch am Tag vor der Premiere letzte Hand anlegen. Näh-, Requisitenteam und Maske haben ganze Arbeit geleistet, die Teams für Wirtschaft, Parkplatz Einlass und Kassen sind zusammengestellt, um den Rahmen für die Vorstellung zu gestalten, den entsprechenden Service für die Zuschauer bereitzustellen und das Team für Öffentlichkeitsarbeit ist ebenfalls seit Jahresbeginn dabei, für die Stücke und das Naturtheater zu werben.

Und Waltraud Kruse ist sich sicher: "Auch die 100. und die 101. Premiere in dieser Spielzeit werden noch das Gefühl des Besonderen auslösen, für die Spieler und für die Mitwirkenden - und auch für die Zuschauer. Auch wenn es sich jährlich wiederholt." Es liege eine Spannung in der Luft: "Wird alles klappen? Was macht das Wetter? Es ist ein Prickeln! Vermutlich war das schon so bei der 1. Premiere in 1954."

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