Sanierung des Café Wies'n in Sindelfingen beschlossen

Technischer Ausschuss stimmt der Biergarten-Sanierung im Sommerhofenpark zu, auch wenn sie mit 850 000 Euro teuer kommt

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    Zu einem Schwätzchen mit seinen Gästen ist Wies'n-Pächter Martin Hess (stehend) stets bereits - auch wenn der Biergarten mal wieder voll ist, weil bei schönem Wetter zum Beispiel ganze Familien "einfallen" Fotos: Simone Ruchay-Chiodi/Archiv

Dass die Sanierung des beliebten "Café Wies'n" im Sommerhofenpark 850 000 Euro kosten soll - der Technische Ausschuss nahm das am Dienstag mit Grummeln hin. In seiner großen Mehrheit gab er dem Vorhaben im Grünen aber schließlich grünes Licht. Schließlich geht es um den Erhalt einer Institution.

Artikel vom 16. März 2018 - 20:34

Von Siegfried Dannecker

SINDELFINGEN. Rund 325 000 Euro für die öffentliche WC-Anlage, 370 000 Euro für die Gastronomie, 145 000 Euro für die Betriebsausstattung, 11 000 Euro für das Verlagern von Verteilerschränken: Was das Amt für Gebäudewirtschaft im Rathaus an Modernisierungskosten ausgerechnet hat - man könnte die Summe auch für einen Neubau halten. Ist sie aber nicht. "Wir haben sorgfältig gerechnet und alles berücksichtigt, was kommen kann", sagt Amtschefin Brigitte Klink auf Anfrage der KRZ. Also auch beispielsweise Grundleitungen für Wasser und Abwasser. Das Gebäude ist in städtischem Besitz, sie verpachtet es nur weiter.

Was die Sanierung des beliebten Ausflugslokals so teuer macht, das sind neben den Sanitäranlagen auch die heute üblichen Ansprüche für den Betrieb einer Gastronomie. "Hier geht es ja nicht um eine Würstlesbude", so Brigitte Klink. Sondern um eine Restaurantküche mit allem, was zu der gehört. Fettabscheider etwa, Kühlaggregate, Be- und Entlüftung.

Auch im Rathaus hätte man, so ist aus Klinks Worten herauszuhören, lieber weniger Geld in die Hand nehmen wollen. "Aber wir wollen die Lokalität für die nächsten Jahre solide herrichten", heißt es. Dafür müssen beispielsweise auch innen Wände abgerissen werden, ein Trafo, der das gesamte Areal des Sommerhofenparks inklusive Verkehrsübungsplatz mit Strom versorgt, versetzt werden. Das lässt eben eine hohe Summe zusammenläppern.

Dass der Gemeinderat am kommenden Dienstag zwar auch murren, aber der Maßnahme letztlich doch zustimmen wird, man darf es annehmen. Denn auch die Gemeinderätinnen und -räte wissen, dass das "Wies'n" in der Sindelfinger (und auswärtigen) Bevölkerung einen hohen, ja höchsten Stellenwert hat. Als einziger Sindelfinger Biergarten und in einer Naherholungsschneise gelegen, die als Ruhe-Reservoir der Stadt kaum zu toppen ist.

Zwischen dem Stadthallenrestaurant und dem Sommerhofen-Restaurant gelegen auf einer Distanz von 2,6 Kilometern, gibt es sonst keine Möglichkeit mehr, unter Freiluft einzukehren. Eher gründeten die Sindelfinger - Rentner wie Radler und Spaziergänger - eine Bürgerinitiative oder entfachten eine Revolution, als dass sie sich ihre traditionelle Freiluft-Gastro nehmen ließen.

Dass er die Lokalität, die er seit der Saison 2017 gepachtet hat, gerne weiterbetreiben würde, (Ex-)Metzger Martin Hess lässt darin im Gespräch mit der KRZ keinen Zweifel. Er, der mittlerweile auch die Gäste des Hundesportvereinsheims im Eichholzer Täle mit Speisen und Getränken versorgt, würde den Sommerhofenpark-Biergarten auch weiter umtreiben wollen. Zusammen mit seiner vielköpfigen Mann- und Frauschaft - zahlreiche Aushilfen und 450-Euro-Kräfte - sieht Hess darin Synergieeffekte.

Schon gleich in diesem Jahr in der demnächst beginnenden Saison. Denn in der kommenden warmen Zeit ist das Wies'n nicht nutzbar. Die Lebensmittelüberwachung - früher: Wirtschaftskontrolldienst - lässt einen Betrieb seit 30. November 2017 in der bisherigen Form nicht mehr zu.

Hess hat sich deshalb, abgestimmt mit den Überwachern, eine Überbrückungslösung ausgedacht. Dieses Jahr wird es die Getränke an einem Schankwagen geben und die (reduzierten) Speisen aus der Holzhütte neben dem Café. "Einen Grill hab ich dann nicht mehr", sagt der 50-Jährige , es kann deshalb vorerst nur ein Schöpfessen, Salate und Flammkuchen geben." Dinge freilich, die er großteils im "Täle" vorbereiten und dann ins Sommerhofen-Areal hinübertransportieren kann.

Martin Hess, der schon den früheren Wies'n-Pächter mit Fleisch und Wurstwaren beliefert hat, hofft, als bewährter Gastronom das Rennen zu machen. Garantiert ist es nicht, weil die Verpachtung und das Gastrokonzept ausgeschrieben werden. Zu den Vorgaben darin zählt auch, dass sich der künftige Betreiber ab 2019 an den Kücheninvestitionen beteiligen möge. Hess wäre dazu breit, erklärt er. Die Summe, die er dem Amt für Gebäudewirtschaft angeboten hat, verrät er freilich nicht.

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