Schockierende Schattenseiten der Modebranche

Weil der Städter Frauenwochen: Film "Todschick" empört viele Frauen im zahlreichen Publikum

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    Tauschrausch statt Kaufrausch: Die Besucherinnen machten eifrig mit Foto: red

Artikel vom 12. März 2018 - 14:42

WEIL DER STADT (red). Zum Filmabend "Todschick - Die Schattenseite der Mode" mit Kleidertausch luden die 22. Weil der Städter Frauenwochen am Weltfrauentag ins Klös-terle ein. Der Abend, den Volkshochschule, Eine-Welt-Laden und Manufaktur gemeinsam gestalteten, wurde ein voller Erfolg.

Der Dokumentarfilm von 2015 zeigt, wie Menschenrechte und Sicherheitsvorschriften bei der Kleiderherstellung in Bangladesch missachtet werden. Die Filmemacher drehten in maroden Fabriken, in denen auch H&M und KIK produzieren lassen und sprachen mit Arbeiterinnen und Fabrikbesitzern darüber, was Modekonzerne unternehmen, um menschenunwürdige Arbeitsbedingungen zu beenden.

Die Regisseurin Inge Altemeier beantwortete im Gespräch die Fragen der Zuhörerinnen. Auch nach der verheerenden Brandkatastrophe beim Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza im Jahr 2013 geschehe immer noch zu wenig zur Verbesserung der Zustände. Die deutsche Politik sei zu nachgiebig. Das zögerlich in Gang gebrachte "Textilbündnis" zwischen Akteuren in der Textilindustrie, Gewerkschaften und der deutschen Regierung, das für mehr soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz in den Lieferländern wie Bangladesch sorgen soll, verlasse sich auf unüberprüfte Selbstverpflichtungen der Textilfirmen und lasse viele Schlupflöcher. Inge Altemeier sieht zum Beispiel im Kleidertausch eine Möglichkeit, Kleider länger zu nutzen und trotzdem dem Bedürfnis nach Neuem gerecht zu werden. Dies wurde unter dem Motto "Tauschrausch statt Kaufrausch" ausprobiert. Eine größere Zahl von Kleidungsstücken fand neue Besitzerinnen, die sich um die Kleiderständer drängten.

Der Frauenprojektchor Viva unter Leitung von Tijana Velic umrahmte den Abend mit schwungvollen Frauenliedern. Der Eine-Welt-Laden sorgte mit fairen Snacks und Getränken für eine gesellige Atmosphäre. Jutta Wastl zeigte nachhaltig produzierte Mode, deren Hersteller sich hohen ökologischen und sozialen Anforderungen stellen und in Europa produzieren lassen. Ermöglicht wurde der Abend durch großzügige Unterstützung der Fairtrade-Stadt Weil der Stadt. Die zahlreichen Gäste des Abends zeigten sich ihrerseits großzügig und spendeten über 350 Euro für das Frauenprojekt des Eine-Welt-Ladens in Südindien.

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