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Sindelfinger Briefmarkensammler pflanzen zum 50-Jährigen einen Apfelbaum im Dronfield-Park

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    Gründungsmitglieder der Briefmarken-Sammlergilde Sindelfingen haben gestern im Dronfield-Park einen Apfelbaum gepflanzt. Ein symbolischer Akt, der die Verbundenheit des jetzt 50 Jahre alten Vereins mit Sindelfingen bekunden soll Fotos: Dannecker

Artikel vom 07. Oktober 2016 - 18:54

Von Siegfried Dannecker

SINDELFINGEN. Ihre besten Zeiten hat die Sammlergruppe Sindelfingen im Württembergischen Philatelistenverein Anfang der 70er erlebt. Damals sammelten noch 430 Mitglieder die gezackten Schönheiten. Heute sind in der Sammlergilde nur noch 80, 90 Mitglieder aktiv. Doch das ficht die Briefmarkenfreunde nicht an. Zum 50-jährigen Bestehen der Ortsgruppe haben sie gestern einen Apfelbaum im Dronfield-Park gepflanzt - als Zeichen ihrer Verbundenheit mit der Stadt.

Das Bäumle, Sorte "weißer Klarapfel", stehe für etwas Lebendiges, Bleibendes, Wachsendes, freute sich Dieter Schaile aus Remseck als Landesverbandsvorsitzender. Am liebsten wäre es dem Mann mit dem grauen Vollbart, das Bäumle trüge zum 55sten Geburtstag der Briefmarkenfreunde 55 Äpfel. Das konnte Christine Hemme von Stadtgrün, die an der Neupflanzung noch eine Erinnerungstafel anbringen will, natürlich nicht versprechen. Aber bis in zwei, drei Jahren soll der Sommerapfel-Spender Früchte tragen.

Die Freude bei den Sammlern war gestern jedenfalls groß, als man gemeinsam zu Spaten, Schürzen und Gießkannen griff. Immerhin sechs Gründungsmitglieder - alle in den Achtzigern - nahmen an dem Geburtstags-Ständchen im Freien teil. Darunter auch einer der berühmtesten Sindelfinger - Bruno Sacco. Der legendäre Daimler-Designer besitzt eine große Sammlung an Briefmarken, auch wenn er sie zurzeit nicht mehr vergrößert. Und wie man unschwer annehmen darf, sind Autos eines der Hauptmotive Saccos. Versteht sich von selbst, dass dort etwa ein 300-SL-Flügeltürer verewigt ist, ein Mythos unter den Mercedes.

Auch Franz Reimann und sein Bruder Hans sowie Siegfried Reck haben den Sindelfinger Verband mit aus der Taufe gehoben; ferner Adolf Appel und Norbert Schwuchow. Und in all den fünf Jahrzehnten ist der Verein mit nur drei Vorsitzenden ausgekommen, was für Kontinuität und gutes Klima spricht: Gründervorsitzender Otto Völmer, dann Hartmut Dix und - seit 2007 - Jürgen Rassmann.

Was die Triebfeder seinerzeit war, den Verein aus der Taufe zu heben - da gibt es zwei Legenden. Die eine behauptet, es sei ein Sammler aus der französischen Partnerstadt Corbeil-Essonnes gewesen, der gefragt habe, Sindelfingen müsse doch gewiss einen organisierten Ring von Hobbyphilatelisten haben. Die andere Version ist, dass der einstige Böblinger OB Wolfgang Brumme sich geweigert habe, dass Böblinger Philatelisten nach Sindelfingen rüber gingen - und also ein Zwang bestand, eine eigenständige Sindelfinger Gruppe aufzumachen. "Sindelfingens OB Arthur Gruber umgekehrt wäre auch nicht nach Böblingen rüber", witzelten die Gründungsmitglieder. Der habe, wenn er in den Schwarzwald gefahren sei, lieber Umwege gemacht, als über die feindliche Gemarkung des Nachbarn abzukürzen.

Europas größte Briefmarkenbörse sorgt für viel Renommee

Wie auch immer. Dr. Johannes Feifel aus Stuttgart, Vorsitzender des Württembergischen Philatelistenvereins, gegründet 1882, bestätigte den Sindelfingern, sie könnten stolz sein. Sindelfingen gilt als das Mekka in Deutschland, was das gezackte Sammelhobby anlangt. Dank der Briefmarkenbörse in der Messe, die Europas größte und renommierteste ist.

Nachwuchs, das geben alle Beteiligten zu, täte ihnen gut. Der sechsjährige Alexander Bauer als jüngstes Mitglied ist eine rare Ausnahme. Sein Vater bringt ihn zu den regelmäßigen Treffen im Vereinsheim, dem Haus der Donauschwaben, mit. Doch "jomara dua mir ned", sagte Dieter Schaile. Die Mitgliederzahl, übrigens zu 90, 95 Prozent männlich ("Folge des Jäger- und Sammlertriebs"), sei seit Jahren konstant. Wenn auch das Hobby etwas unmodisch daherkommen mag, Dr. Johannes Feifel, 52, gewinnt ihm viel Gutes ab: "Es bildet einen, es entschleunigt und wirkt deshalb blutdrucksenkend." Briefmarken müssten weder Gassi geführt noch gefüttert werden: "Und das Internet hat das Sammeln leichter und günstiger denn je gemacht."

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