Kinder werden ungesichert mit dem Auto zur Kita chauffiert

Kreisverband des ACE beteiligt sich an bundesweiter Aktion zum 40. Jubiläum der Gurtpflicht

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Artikel vom 17. Juni 2016 - 17:06

SINDELFINGEN (red). Mit der bundesweiten Verkehrssicherheitskampagne "Komm Gurt an!" will der Auto Club Europa (ACE) Gurtmuffeln mit guten Argumenten entgegentreten. Dass es mit der Anschnallmoral auch nach 40 Jahren Gurtpflicht nicht gut bestellt ist, zeigte eine erste Aktion des ACE-Kreisverbands Böblingen in Sindelfingen. Der ACE will Autofahrer, die sich oder Kinder im Fahrzeug nicht richtig sichern, zum Nach- und vor allem zum Umdenken bewegen.

Schon bei der ersten Aktion in Sindelfingen in der Seestraße gab es Anlass zur Besorgnis. "Wir haben überprüft, wie Eltern und Großeltern ihre Kinder beziehungsweise Enkel bei der Fahrt zur Kita Klostergarten sichern", erklärt der ACE-Kreisvorsitzende Gerhard Ruoff. Trotz der geringen Anzahl der Fahrzeuge ist das Ergebnis mehr als ernüchternd. Von den insgesamt 18 beobachteten Fahrzeugen waren lediglich in sechs Fahrzeugen die Kinder vorschriftsmäßig gesichert. In acht Fahrzeugen waren keine Kindersitze oder Sitzerhöhungen vorhanden und die Kinder lediglich mit dem Sicherheitsgurt angeschnallt. "Was gar nicht geht, ist die Tatsache, dass in vier Fahrzeugen die Kinder völlig ungesichert im Fahrzeug saßen. Solch ein schlechtes Ergebnis habe ich nicht vermutet", äußert Ruoff sein Unverständnis.

Hans Nill und Walter Lehmann, Mitglieder im ACE-Kreisvorstand, sind überrascht. "Und das im negativen Sinne", ergänzt Reinhard Mohr, Regionalbeauftragter des ACE in Baden-Württemberg. Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Kreisvorstandsmitgliedern, führte er diese Zählaktion durch.

Anlass für die ACE-Mitglieder, die Aktion zu unterstützen, waren ACE-Recherchen, nach denen 2014 bundesweit durchschnittlich jeder fünfte Verkehrstote zum Zeitpunkt des Unfalls nicht angeschnallt war. Für Gerhard Ruoff ist das eine erschre-ckende Bilanz und alarmierend dazu sind die eigenen aktuellen Zahlen. "Nichts schützt im Auto effektiver als der angelegte Gurt, bei Kindern in Kombination mit den richtigen Kindersitzen besonders. Doch gerade auf dem Weg zur Kita oder zur Schule sind die Kinder oft falsch oder gar nicht gesichert. Viele Eltern gehen davon aus, dass bei niedrigen Geschwindigkeiten schon nichts passieren wird", sagt Ruoff. Eine fatale Fehleinschätzung: Ungesicherte Kinder haben laut Studien ein siebenfach höheres Risiko, bei Unfällen schwere oder gar tödliche Verletzungen zu erleiden.

"Bis Juli wollen wir an verschiedenen Standorten weitere Zählungen durchführen", kündigt Gerhard Ruoff. Im Herbst soll es eine bundesweite Auswertung geben.

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