Im Kreisimpfzentrum gibt es jetzt auch Astra-Zeneca

In der Sindelfinger Messehalle steht nun die Alternative zum Biontech-Impfstoff zur Verfügung. Dass der Inzidenzwert im Kreis Böblingen wieder deutlich angestiegen ist, liegt vor allem an den Corona-Ausbrüchen in drei Pflegeheimen.

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    Im Kreisimpfzentrum in der Sindelfinger Messehalle steht jetzt auch Astra-Zeneca zur Verfügung Foto: Granville

Artikel vom 19. Februar 2021 - 13:24

Von Robert Krülle

KREIS BÖBLINGEN (red). Im Kreisimpfzentrum (KIZ) des Landkreiseses Böblingen in der Messe Sindelfingen wird ab sofort auch der Impfstoff von AstraZeneca verimpft. Er ist zunächst für Personen unter 65 Jahren in Berufsgruppen mit der höchsten Priorität wie zum Beispiel dem Personal von medizinischen Einrichtungen vorgesehen. Das teilt das Landratsamt mit. „Es ist eine gute Nachricht, dass wir einen neuen Baustein im Kampf gegen das Coronavirus haben“, freut sich Landrat Roland Bernhard. „Damit bewegen wir uns einen weiteren Schritt auf dem Weg zurück in die Normalität.“ Es sei wichtig, die Gruppen mit der höchsten Priorität so schnell wie möglich zu versorgen.

Mit AstraZeneca steht neben BioNTech nun ein zweiter Impfstoff im KIZ zur Verfügung. Nach derzeitigem Kenntnisstand zeigt er eine Wirksamkeit von rund 70 Prozent. „Auch wenn die Wirksamkeit von AstraZeneca damit etwas geringer als bei BioNTech ausfällt, bietet er Schutz vor Ansteckung und kann schwere oder tödliche Krankheitsverläufe verhindern. Es gibt keinen Grund, den Impfstoff von AstraZeneca als zweite Wahl zu betrachten“, sagt Landrat Roland Bernhard.  Angesichts des Mangels an Impfstoff und der Infektionslage bleibe keine Zeit, auf einen anderen Impfstoff zu warten.

Seit Ende Januar ist AstraZeneca in der EU für Personen über 18 Jahren zugelassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt AstraZeneca als sicheren und wirksamen Impfstoff. Anders als die bisherigen mRNA-Impfstoffe verwendet dieser Träger- oder Vektorviren, um einen Impfschutz zu erreichen. Die STIKO empfiehlt AstraZeneca derzeit für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren. Für die Altersgruppe über 65 Jahren liegen der STIKO nicht ausreichend Daten des Herstellers vor. Deshalb wird diese Altersgruppe weiterhin den Impfstoff von BioNTech beziehungsweise Moderna erhalten. Für alle anderen Altersgruppen ist im KIZ der Impfstoff von AstraZeneca vorgesehen.

Mit dem Start der AstraZeneca-Impfung wird das KIZ den Betrieb weiter ausdehnen. Derzeit werden Termine für Dienstag, Freitag und Sonntag angeboten. Parallel sind die mobilen Impfteams (MIT) weiter in den 45 Alten- und Pflegeheimen im Einsatz. Dort sind inzwischen die Zweitimpfungen angelaufen, die voraussichtlich Mitte März abgeschlossen sind.

Allerdings gibt es auch in drei Altenpflegeheimen im Landkreis größere Ausbruchsgeschehen. Laut Pressemitteilung des Landratsamts sei das die Erklärung, warum im Landkreis nach den erfreulichen Zahlen vom Anfang der Woche die Inzidenz derzeit wieder angestiegen ist. Im Haus Sonnenhalde in Böblingen, wo rund 90 aktive Fälle bestehen – also fast die Hälfte der derzeit aktiven Fälle im Kreis - wurde noch gar nicht geimpft. In diesem Heim musste der Termin zur Erstimpfung wegen des schon bestehenden Ausbruchs abgesagt werden. Im Haus an der Schwippe in Sindelfingen-Darmsheim, wo aktuell noch 31 positive Fälle sind, wurde bisher erst die Erstimpfung gemacht. In einem dritten Heim, Haus Martinus in Weil im Schönbuch, sind aktuell bereits 21 Fälle nachgewiesen; die Testungen dort dauern an. Auch hier sind teilweise Bewohner zum ersten Mal geimpft, der Termin für die Zweitimpfung wurde angesichts des Ausbruchs jetzt verschoben.

„Im Haus an der Schwippe ist die britische Variante nachgewiesen worden, in den anderen beiden Heimen haben wir bisher keinen Hinweis darauf“, so Gesundheitsamtsleiterin Dr. Anna Leher. „Wir appellieren insbesondere an die Heime, trotz schon durchgeführter Impfungen die strengen Hygieneregeln einzuhalten und vor allem weiterhin konsequent und regelmäßig zu testen – sowohl bei den Bewohnern als auch beim Personal.“ Der volle Impfschutz bestehe erst rund zwei Wochen nach der Zweitimpfung.

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