Sindelfingen: Hilfsaktion für Flüchtlingslager in Bosnien

Round Table 129 Böblingen-Sindelfingen unterstützt den Hilfstransport von Viola Zahiri. Um Geld- und Sachspenden wird gebeten.

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    Die bosnische Armee hat damit begonnen, im Elendslager Lipa im Nordwesten des Landes Zelte zu errichten. Die Menschen demonstrieren für bessere Bedingungen Foto: Softic/AP/dpa

Artikel vom 27. Januar 2021 - 19:00

SINDELFINGEN/LIPA (red/jps). Spätestens seitdem es am 23. Dezember, nur einen Tag vor Heiligabend, zu einem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Lipa in Bosnien kam, sind die menschenverachtenden Bedingungen vor den Toren der EU vielen Menschen bewusst geworden. Mittlerweile leben rund 3000 Geflohene aus verschiedenen Ländern in den Wäldern und den Straßen der nordwestlichen Region Bosniens von Lipa bis Bihac und Velika Kladusa.

Es gibt weder befestigte Lagerstätten, nicht einmal Zelte für jeden, noch Sanitärmöglichkeiten. Nur wenige Organisationen haben sich vor Ort angesiedelt und versuchen, so gut es die bosnischen Gesetze zulassen, den Menschen zu helfen. So gibt es oftmals nur eine Mahlzeit in zwei Tagen, die Menschen sind geschwächt und abgemagert. Flüchtlingshilfe ist nicht überall geduldet. In weiten Teilen der Bevölkerung ist sie auch nicht mehr gern gesehen, seitdem aus der berüchtigten Balkanroute, die das Land einst nur passierte, eine dauerhafte Einrichtung geworden ist.

An der Grenze zu Kroatien sind Tausende von Flüchtlingen gestrandet und werden bei dem Versuch, die EU-Grenze zu passieren, mit brutaler Gewalt zurück nach Bosnien gedrängt. Eine ausweglose Situation, aus der es weder vor- noch zurückgeht, lässt die Menschen an ihrer Perspektivlosigkeit verzweifeln.

Erst im November letzten Jahres hat Viola Zahiri, die hauptberuflich als Architektin arbeitet, einen Hilfsgütertransport zum ausgebrannten Flüchtlingslager Moria auf die griechische Insel Lesbos erfolgreich abgewickelt. Die Kreiszeitung Böblinger Bote berichtete und unterstützte die Aktion. Auf die Frage, was die ehrenamtliche Helferin dieses Mal am meisten zu einer erneuten Aktion bewegt, sagt sie: "Als ich mich in die Lage der Menschen hineinversetzt habe und den Hunger, die Kälte und Ablehnung bis zu Gewalt nachgefühlt habe, konnte ich nicht ruhigen Gewissens in meinem behüteten Zuhause sitzen und untätig bleiben. Vor allem mit dem Wissen darüber, was wir hier im Kreis erst vor Kurzem gemeinschaftlich auf die Beine gestellt haben und wieder tun könnten." In der Tat war die Spendenbereitschaft im Dezember überragend und größer als der damalige Bedarf.

Über 90 Prozent der Geflüchteten sind Männer

Jetzt will Viola Zahiri das Leid in Bosnien lindern. "Die Geflohenen sind dort zu circa 90 Prozent Männer, da ist das Mitgefühl der Menschen geringer als für leidende Frauen und Kinder. Dennoch sind es Menschen, die nun akut Hilfe benötigen, um diese harten Winterwochen zu überleben. Bei Minusgraden ohne Obdach und regelmäßige Mahlzeiten ist das nicht gewährleistet", sagt sie.

Außerdem gebe es durchaus Frauen, sogar Schwangere und Kinder, die ebenfalls betroffen sind. "Da sie eine kleine Minderheit darstellen, wird für sie von anderen Stellen nichts gesammelt. Die Lagerflächen sind stark begrenzt, ganz anders als in offiziellen Flüchtlingseinrichtungen der EU. Spezifische Dinge wir Damenhygiene, Babynahrung oder Milchpumpen werden dadurch vernachlässigt", weiß Zahiri.

Auch dieses Mal soll ein Hilfsgütertransport das Leid der Menschen abmildern. Dafür werden Sachspenden benötigt; diese können noch am kommenden Samstag abgegeben werden (siehe Kasten). Empfänger und Distributor der Hilfsgüter ist die österreichische Organisation SOS Balkanroute sowie eine kleine Initiative vor Ort. Beide arbeiten sehr transparent und nah am Menschen, was Zahiri abermals wichtig war. Die Evangelische Johanneskirchengemeinde in Sindelfingen unterstützt die Aktion mit einer Zwischenlagerfläche.

Spenden für die Aktion bitte bis spätestens 6. Februar unter dem Stichwort "Flüchtlingshilfe" auf dieses Konto: IBAN: DE21 6039 0000 0308 8450 05. Inhaber: Freunde von Round Table 129 e.V.
Sammlung am Samstag
Für die Hilfslieferung nach Bosnien wird ausschließlich um die unten aufgelisteten Artikel gebeten. Bitte getrennt nach Kategorie separat verpacken, nach Möglichkeit in geeigneten Umzugskartons. Falls nicht vorhanden: In Säcken, in jedem Fall beschriftet!
Abgabeort ist das Gemeindehaus der Johanneskirchengemeinde Sindelfingen in der Rechbergstraße 1 in 71063 Sindelfingen. Bitte beachten Sie dringend die aktuellen Corona-Regelungen!
Herren-Kategorien: Winterjacken, bevorzugt in den Größen S und M, Jogginganzüge (bevorzugt Gr. S und M), Hosen (bevorzugt Gr. S und M), T-Shirts (bevorzugt Gr. S), Pullover (bevorzugt Gr. S und M), sportliches, festes Schuhwerk
Baby-Kategorien: Feuchttücher, Pampers (alle Größen), Babynahrung (Milchpulver, Gläschen, Flocken), Creme, Salben, Tragehilfen
Erste-Hilfe-Materialien wie Pflaster; Erkältungsmittel, Teebaumöl
Damen-Hygieneartikel: Damen-Kosmetika und Duschartikel
Außerdem wird dringend gebeten um funktionsfähige Smartphones, Ladegeräte, Powerbanks, Batterien, Taschenlampen und StirnlampenLetzter Abgabetermin: Samstag, 30. Januar: 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr.

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