Sindelfingen: Das schlimmste Leid der Flüchtlinge in Bosnien lindern

Round Table 129 Böblingen-Sindelfingen unterstützt den Hilfstransport von Viola Zahiri nach Bosnien - Geldspenden erbeten.

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    Migranten protestieren im Lager Lipa mit Plakaten gegen die schlechten Bedingungen. Foto: Kemal Softic/AP/dpa
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    Die Situation der Flüchtlinge nahe der bosnischen Grenze ist verheerend. Foto: dpa
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    Die Situation der Flüchtlinge nahe der bosnischen Grenze ist verheerend. Foto: dpa
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    Die Situation der Flüchtlinge nahe der bosnischen Grenze ist verheerend. Foto: dpa

Artikel vom 27. Januar 2021 - 12:42

SINDELFINGEN/LIPA (red/jps). Spätestens seitdem es am 23. Dezember, nur einen Tag vor Heiligabend, zu einem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Lipa in Bosnien kam, sind die menschenverachtenden Bedingungen vor den Toren der EU vielen Menschen bewusst geworden. Mittlerweile leben rund 3000 Geflohene aus verschiedenen Ländern in den Wäldern und den Straßen der nordwestlichen Region Bosniens von Lipa bis Bihac und Velika Kladusa.

Menschen mit brutaler Gewalt zurückgedrängt

An der Grenze zu Kroatien sind Tausende von Flüchtlingen gestrandet und werden bei dem Versuch, die EU-Grenze zu passieren, mit brutaler Gewalt zurück nach Bosnien gedrängt. Eine ausweglose Situation, aus der es weder vor noch zurückgeht, lässt die Menschen an ihrer Perspektivlosigkeit verzweifeln.

Erst im November letzten Jahres hat die Sindelfingerin Viola Zahiri, die hauptberuflich als Architektin arbeitet, einen Hilfsgütertransport zum ausgebrannten Flüchtlingslager Moria auf die griechische Insel Lesbos erfolgreich abgewickelt. Die Kreiszeitung Böblinger Bote berichtete und unterstütze die Aktion. Auf die Frage, was die ehrenamtliche Helferin dieses Mal am meisten zu einer erneuten Initiative bewegt, sagt sie: "Als ich mich in die Lage der Menschen hineinversetzt habe und den Hunger, die Kälte und Ablehnung bis zu Gewalt nachgefühlt habe, konnte ich nicht ruhigen Gewissens in meinem behüteten Zuhause sitzen und untätig bleiben. Vor allem mit dem Wissen darüber, was wir hier im Kreis erst vor Kurzem gemeinschaftlich auf die Beine gestellt haben und wieder tun könnten." In der Tat war die Spendenbereitschaft im Dezember überragend und größer als der damalige Bedarf.

Über 90 Prozent der Geflüchteten sind Männer

Jetzt will Viola Zahiri das Leid in Bosnien lindern. "Die Geflohenen sind dort zu circa 90 Prozent Männer, da ist das Mitgefühl der Menschen geringer als für leidende Frauen und Kinder. Dennoch sind es Menschen, die nun akut Hilfe benötigen, um diese harten Winterwochen zu überleben. Bei Minusgraden ohne Obdach und regelmäßige Mahlzeiten ist das nicht gewährleistet" sagt sie.

Außerdem gäbe es durchaus Frauen, sogar Schwangere und Kinder, die ebenfalls betroffen sind. "Da sie eine kleine Minderheit darstellen, wird für sie von anderen Stellen nichts gesammelt. Die Lagerflächen sind stark begrenzt, ganz anders als in offiziellen Flüchtlingseinrichtungen der EU. Spezifische Dinge wir Damenhygiene, Babynahrung oder Milchpumpen werden dadurch vernachlässigt", sagt Zahiri.

Spenden gehen auf das Konto Round Table 129

Auch dieses Mal soll ein Hilfsgütertransport das Leid der Menschen abmildern. Dafür werden Sach-, aber auch Geldspenden benötigt, um den Transport zu bezahlen und wesentliche Güter hinzukaufen zu können. Mindestens 2500 Euro sind nötig, um allein den Transport abwickeln zu können. Geldspenden für den Transport sammelt der Serviceclub Round Table 129 Böblingen-Sindelfingen:

► IBAN: DE21 6039 0000 0308 8450 05 unter dem Stichwort "Flüchtlingshilfe"
► Kontoinhaber: 
Freunde von Round Table 129 e.V.

Außerdem werden Sachspenden benötigt (siehe Liste unten); Empfänger und Distributor der Hilfsgüter ist die österreichische Organisation SOS Balkanroute sowie eine kleine Initiative vor Ort. Beide arbeiten sehr transparent und nah am Menschen, was Zahiri abermals wichtig war. Die Evangelische Johanneskirchengemeinde in Sindelfingen unterstützt die Aktion mit einer Zwischenlagerfläche.

Noch am heutigen Mittwoch und am Samstag können Sachspenden abgegeben werden:
Mittwoch, 27. Januar: 16:30 bis 19:30 Uhr
Samstag, 30. Januar: 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr

Abgabeort ist das Gemeindehaus der Evangelischen Johanneskirchengemeinde Sindelfingen in der Rechbergstraße 1 in 71063 Sindelfingen.

Bitte beachten Sie dringend die aktuellen Corona-Regelungen!

 

Was wird benötigt?

Für die Hilfslieferung nach Bosnien werden ausschließlich die unten aufgelisteten Artikel benötigt. Bitte getrennt nach Kategorie separat verpacken, nach Möglichkeit in geeigneten Umzugskartons. Falls nicht vorhanden: In Säcken, in jedem Fall beschriftet.

Herren-Kategorien: Winterjacken, bevorzugt in den Größen S und M, Jogginganzüge (bevorzugt Gr. S und M), Hosen (bevorzugt Gr. S und M)

Oberbekleidung: T-Shirts (bevorzugt Gr. S), Pullover (bevorzugt Gr. S und M), sportliches, festes Schuhwerk (Gr. 40-44), Socken und Unterwäsche, Handschuhe, Mützen, Schals, Duschartikel, Rasierer etc.

Baby-Kategorien: Feuchttücher, Pampers (alle Größen), Babynahrung (Milchpulver, Gläschen, Flocken), Creme, Salben, Tragehilfen

Lebensmittel-Kategorien: haltbare trockene Nahrungsmittel (Reis, Pasta, Haferflocken, etc.), Konserven (kein Fleisch), Tetrapacks (Soßen, Säfte, etc.), haltbare nahrhafte Nahrung, die nicht zubereitet werden muss, wie Schokolade, Riegel, Snacks, Knäckebrot, etc.

Erste-Hilfe-Materialien wie Pflaster; Erkältungsmittel, Teebaumöl

Damen-Hygieneartikel: Damen-Kosmetika und Duschartikel

Weitere Kategorien: Rucksäcke, Schlafsäcke, Isomatten, Decken, Krücken, Rollstühle, Umzugskartons, Kinderwägen

■ Außerdem wird dringend gebeten um funktionsfähige Smartphones, Ladegeräte, Powerbanks, Batterien, Taschenlampen und Stirnlampen

WICHTIG: Nicht angenommen werden zerrissene Kleidungsstücke oder defekte Gegenstände sowie verderbliche Lebensmittel.

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