Verhärtete Fronten im Stiftung-Liebenau-Konflikt

Nach fast einem Jahr Tarif-Verhandlungen sind die Gewerkschaft Verdi und die Stiftung Liebenau als Altenpflege-Träger noch zu keinem Resultat gekommen. Jetzt gibt es Warnstreiks, unter anderem in Ehningen.

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    Im "Haus Magdalena" im Ehninger Bühl gab es am Mittwoch einen Warnstreik. Denn die Gewerkschaft ist mit dem Angebot der Arbeitgeber noch nicht einverstanden Foto: Stefanie Schlecht

Artikel vom 25. November 2020 - 17:00

Von Ulrich Stolte

KREIS BÖBLINGEN. Mittwochfrüh standen die Streikposten vor zwei Heimen der Stiftung Liebenau in Baden-Württemberg. Eines davon war das "Haus Magdalena" in Ehningen, das andere steht in Kressbronn am Bodensee. Damit endete das Ultimatum, das die Gewerkschaft Verdi vor 14 Tagen der kirchlichen Sozialeinrichtung gestellt hatte. Seit einem Jahr verhandelt Verdi mit der Stiftung um Tarife.

Die Stiftung hat etliche Tochtergesellschaften, die unter einem Dach in Meckenbeuren zusammengefasst sind. Insgesamt tun 7700 Mitarbeiter Dienst am Nächsten, darunter in Heimen in Weil im Schönbuch, Böblingen und Ehningen. Bislang hatte die Tochtergesellschaft "Leben im Alter", die 21 Altenheime betreibt, einen Haustarif. Die anderen Tochtergesellschaften bezahlten ihre Mitarbeiter nach Kirchenrecht.

Nach fast einem Jahr Verhandlungen zogen die Konfliktparteien folgende Bilanz: Die Gewerkschaft habe ihre Forderungen immer weiter in die Höhe geschraubt, kritisiert die Stiftung. Die Gewerkschaft hält dagegen: Die Geschäftsleitung habe ihre Zusagen nie eingehalten, sagt Yvonne Baumann, die Verhandlungsführerin von Verdi.

Große Skepsis bei Verdi trotz der Ankündigung des "Dritten Wegs"

Zuletzt hatte die Stiftung angekündigt, sich auf den sogenannten Dritten Weg zu begeben. Das bedeutet, dass sie für ihre Mitarbeiter die Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) der Caritas einführt. Die AVR sind an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes angelehnt. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Bischof Gebhard Fürst haben bereits mitgeteilt, dass sie diesen Weg gutheißen und ihn, als oberste Instanz der Liebenau-Stiftung, auch genehmigen werden.

Damit hätte der Arbeitskampf für die Beschäftigten bereits einen Vorteil gebracht, doch die Verhandlungsführerin Yvonne Baumann traut dem Frieden nicht. Zu oft, sagt sie, sei die Geschäftsleitung vor der Zielgerade noch abgebogen. Die Betriebsräte von "Leben im Alter" sind mit dem Dritten Weg auch nicht einverstanden. Sie würden dann von Betriebsräten zu Mitarbeiter-Vertretern und hätten weniger Rechte als jetzt, sagt die Betriebsrätin Caroline Zetzmann.

Am heutigen Donnerstag geht der Streik weiter. Dann werden die Einrichtungen in Dußlingen im Kreis Tübingen bestreikt sowie ein Standort im Zollernalbkreis. Der Streik in Weil im Schönbuch wurde unterdessen abgeblasen, weil dort ein Coronafall gemeldet wurde. In den bestreikten Altenheimen bleibt eine Notbesetzung, die ähnlich aufgestellt ist wie ein Wochenenddienst.

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