Kliniken im Kreis rüsten sich für zweite Corona-Welle

Kliniken im Landkreis wappnen sich für die zweite Corona-Welle - Quarantäneausfälle bei Klinikbediensteten nehmen zu - erste Besuchseinschränkungen und Veranstaltungsabsagen

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    Auf den Intensivstationen der Kreiskliniken ist nur noch Besuch nach Rücksprache möglich Foto: Eibner / Juergen Biniasch

Artikel vom 23. Oktober 2020 - 15:06

KREIS BÖBLINGEN (red). Die Corona-Lage in den vier Landkreis-Kliniken verschärft sich. In den Krankenhäusern werden Stand Donnerstag 21 Patienten auf normalen Isolationsstationen, 3 Patienten auf Intensivstationen behandelt, hinzu kommen zehn Verdachtsfälle. "Die stationären Zahlen sind besorgniserregend und im Prinzip jetzt auf dem Stand von Mitte März dieses Jahres angekommen - im Vergleich zu Anfang Oktober haben sich die Patientenzahlen verfünffacht", mahnt Landrat Roland Bernhard, Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbundes Südwest und der Kreiskliniken Böblingen in einer Pressemitteilung.

"Anders als im Frühjahr, als man das komplette OP-Programm baden-württembergweit ausgesetzt hatte, fahren die Kliniken momentan noch unter Volllast. Angesichts der steigenden Infektionszahlen ist es aber fraglich, wie lange diese Doppelbelastung so noch aufrechterhalten werden kann. Sowohl im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken als auch angesichts der Patienten, die im Falle eines erneuten Shut-Downs zeitweise auf Operationes verzichten müssten, gilt es jetzt, gesellschaftlich geschlossen gegen die Pandemie vorzugehen", erklärt Bernhard weiter.

Umso mehr, als dass das Infektionsgeschehen nicht vor den Bediensteten im Gesundheitswesen haltmacht. "Allein im Oktober haben wir bereits nur im Landkreis Böblingen 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die quarantänebedingt ausgefallen sind, das entspricht annährend 200 Schichtbesetzungen", unterstreicht Martin Loydl, Geschäftsführer des Klinikverbundes Südwest.

42 Mitarbeiter waren im Oktober in Quarantäne

So nimmt beispielsweise die Intensivstation am Krankenhaus Herrenberg noch bis kommenden Dienstag keine beatmungspflichtigen Patienten von extern mehr auf, da dort momentan fünf Intensivpfleger vorsorglich in Quarantäne sind; die Kliniken Böblingen fahren parallel ein reduziertes OP-Programm, da fünf Ärzte diese Woche coronabedingt ausgefallen sind.

"Unter Corona ist das leider in den letzten Monaten Teil unseres Alltages geworden, in solchen Fällen Lösungen zu entwickeln; hier hilft uns die standortübergreifende Zusammenarbeit der Kliniken," so Loydl. Weder die Regel- noch die Notfallversorgung unterliegen somit zum jetzigen Zeitpunkt irgendwelchen Einschränkungen, alle Sprechstunden finden statt, die Ambulanzen aller Fachbereiche sind geöffnet. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen auch noch ausreichend Intensivkapazitäten in den Landkreisen Böblingen und Calw, aber auch in allen umliegenden Landkreisen zur Verfügung, heißt es.

Um Patienten und Klinikangestellte noch besser zu schützen, hat der Klinikverbund Südwest bereits Anfang der Woche alle Veranstaltungen mit externen Teilnehmern in den Standorten ausgesetzt. Einzige Ausnahme davon sind geburtshilfliche Veranstaltungen. Ab sofort sind auf allen Intensivstationen nur noch in Ausnahmefällen in Rücksprache mit den behandelnden Ärzten Angehörigenbesuche möglich. Auf allen anderen Stationen inklusive der Wochenstationen gilt noch die aktuelle Regelung aus der baden-württembergischen Corona-Verordnung, die einen Besucher pro Patienten pro Tag zulässt. "Bei einem weiteren Anstieg der Zahlen müssen wir unsere Kliniken leider wieder mehr nach außen abschotten und das OP-Programm weiter herunterfahren, um Ressourcen für die COVID-19-Behandlung freizusetzen", warnt Martin Loydl.

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