Corona: Gesundheitsamt an der Grenze - keine Sperrstunde

Testkapazitäten werden knapp. Landrat: Kontakte begrenzen.

  • img
    Verlegungen, Absagen und den Spielbetrieb sogar komplett ausgesetzt: Das fiese Corona-Virus bringt inzwischen auch die Sportwelt ganz gehörig ins Wanken Foto: CDC/Unsplash- KRZ-Foto:

Artikel vom 22. Oktober 2020 - 16:48

KREIS BÖBLINGEN (red/flo). Sinkende Testkapazitäten und immer größere Probleme, die Kontakte Infizierter nachzuverfolgen: Das Böblinger Gesundheitsamt kommt an seine Grenzen. Der Landrat appelliert an die Bevölkerung, die Behörde durch verantwortungsbewusstes Handeln zu unterstützen.

Die Corona-Situation im Landkreis Böunterscheidet sich nicht von anderen Landkreisen - auch hier steigt die Zahl der infizierten Personen. Am Donnerstag war ein Zuwachs bei den Infizierten von 64 auf insgesamt 476 Fälle zu verzeichnen, der Inzidenzwert ist auf 72 gestiegen. Wer sich jetzt überlegt, zu wie vielen Menschen jeder dieser Neuinfizierten zuletzt Kontakt hatte, bekommt einen kleinen Eindruck dessen, was zur Nachverfolgung von Infektionsketten geleistet werden muss", schreibt die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung.

Ab kommenden Montag, unterstützen 30 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr das Gesundheitsamt. Sie sind im Kontaktpersonenmanagement, der Nachverfolgung von Infektionsketten eingesetzt und helfen mit, die primären Kontakte einer infizierten Person zu informieren, was zu tun ist. "Es ist absolut unerlässlich, dass wir bei den Kontaktpersonen den Überblick behalten. Das ist ein entscheidender Baustein, um dem Anstieg der Fallzahlen zu begegnen", erklärt Landrat Roland Bernhard.

Eine weitere Folge der steigenden Fallzahlen ist, dass die Testkapazitäten knapp werden. Künftig werden bei Ausbrüchen in Schulklassen oder Kitas nur noch die Schülerinnen und Schüler getestet, die unmittelbar in Kontakt waren oder in der Folge Symptome zeigen. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass bei den Testungen ganzer Klassen oder Gruppen wenige weitere positive Fälle auftreten", erklärt Anna Leher, Leiterin des Böblinger Gesundheitsamts. "Bei allen, die näheren Kontakt hatten, wird die Quarantäne angeordnet und ein Test gemacht, zudem natürlich bei allen, die Symptome zeigen oder als besonders vulnerabel einzustufen sind. Damit gehen wir zielgerichteter vor." Aktuell sind landkreisweit 19 Schulen mit insgesamt 30 Klassen betroffen.

Im Landkreis Böblingen wird die Quarantäne mit 14 Tagen ab Kontakt mit der infizierten Person ausgesprochen. Ein negativer Test verkürzt diese Quarantäne nicht. Die Eltern eines Kontaktkindes müssen in keinem Fall in Quarantäne, da Kontaktpersonen von Kontaktpersonen nur ein geringes Ansteckungsrisiko haben.

Keine Sperrstunde im Landkreis

Um die Kapazitäten im Gesundheitsamt nicht weiter zu überlasten, bitte das Landratsamt alle, die sich medizinischen Rat holen möchte oder auf einem Test bestehen, sich an die jeweiligen Hausärzte zu wenden. "Wir müssen es schaffen, uns darauf zu konzentrieren, das Ausbruchsgeschehen weiter unter Kontrolle halten zu können", wirbt Anna Leher um Verständnis. "Im Zweifel sollte man auch geduldig sein und warten, bis wir uns melden - und in jedem Fall seine Kontakte freiwillig reduzieren."

"Wir müssen unsere Kontakte herunterfahren", appelliert Landrat Bernhard. "Nicht alles, was die Vorschriften aktuell noch zulassen, muss man auch ausreizen. Je vernünftiger wir uns jetzt verhalten, desto weniger die Einschnitte, die seitens der Gesetzgebung erlassen werden müssen." Auf der Internetseite des Landkreises finden sich hilfreiche Informationen und Links (http://www.lrabb.de).

Dennoch verzichtet das Landratsamt vorerst darauf, um 23 Uhr eine Sperrstunde für den Kreis Böblingen zu verhängen. Das bestätigt eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung. "Es bestehen noch rechtliche Fragen", sagt sie. "Und es gibt aktuell keine Hinweise, dass von Gaststätten ein erhöhtes Infektionsgeschehen ausgeht." Das Sozialministerium empfiehlt eine Sperrstunde, hat das aber noch nicht in einer Landesverordnung geregelt.

Allerdings gilt nach wie vor die Verfügung vom Wochenende, wonach nach 23 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Das hatte für Kritik gesorgt. "Das wird das Ganze verlagern. Dann wird man sich davor mit Alkohol eindecken und im Freien oder in privaten Räumen trinken", sagte Simeon Schad vom Kreis-Hotel- und Gaststättenverband.

Verwandte Artikel