Finanzen 2020: Böblingen profitiert vom Rettungsschirm

Trotz Corona sehen die Finanzen der Stadt Böblingen in diesem Jahr nicht so schlecht aus wie befürchtet. Doch die Prognosen für die kommenden Jahre sind düster.

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    Schwierige Zeiten für die kommunalen Finanzen Foto: Archiv

Artikel vom 24. September 2020 - 19:00

Von Robert Krülle

BÖBLINGEN. Die Sorgen waren enorm. Im Frühjahr rechnete die Böblinger Kämmerei wegen der Corona-Krise mit Einbußen bei der Gewerbesteuer von rund 40 Millionen Euro. Ganz so hart hat es die örtlichen Unternehmen offenbar jetzt doch nicht getroffen. Im Entwurf für den Nachtragshaushalt 2020 rechnet die Verwaltung nun mit etwa 15 Millionen Euro weniger: anstatt der veranschlagten 75 also "nur" 60 Millionen Euro.

Gleichzeitig kommen auf die Stadt deutliche Mehrausgaben beziehungsweise weniger Einnahmen zu. Zum Beispiel fressen die Bäder viel Geld, weil wegen Corona ein Normalbetrieb nicht möglich war. Auch geht der Stadt einiges an Vergnügungssteuer flöten, da Diskotheken, Bordelle und Bars mit Spielautomaten geschlossen waren. Um die erwarteten Einbußen insgesamt zumindest teilweise aufzufangen, waren die städtischen Ämter aufgefordert, noch für den laufenden Betrieb 2020 ordentlich einzusparen. Heraus kamen etwa 3,2 Millionen Euro. "Vielen Dank für diese Bemühungen", betonte Oberbürgermeister Stefan Belz gestern im Finanzausschuss des Gemeinderats.

Dass die Stadt Böblingen aber mit einem hellblauen Auge davon kommt und beim Ergebnishaushalt letztlich sogar um sechs Millionen Euro besser dasteht als ursprünglich gedacht, liegt am Corona-Rettungsschirm von Bund und Land. Rund 24 Millionen Euro erhält die Stadt Böblingen auf diesem Weg. "Das ist großzügig, wurde von den Kommunalverbänden aber auch energisch eingefordert", sagte Stefan Belz.

Düstere Aussichten

Kämmerer Sascha Schneider, der dem Finanzausschuss einen sehr übersichtlichen Vortrag über die Lage gab, legte aber anschließend den Finger in die Wunde. Denn auch im Nachgang wird die Corona-Krise deutlich zu spüren sein. Die Rücklagen werden in den kommenden Jahren abschmelzen, der Schuldenstand explodieren. "Um das zu schultern, brauchen wir einen funktionierenden Finanzhaushalt", betonte Schneider.

Deshalb hatte die Verwaltung im Juli das Konsolidierungsprojekt "Kompass 2025" aufs Gleis gesetzt (die KRZ berichtete). Am 2. Oktober finden die ersten Beratungen mit dem Gemeinderat statt. Ziel ist es, klare Prioritäten zu definieren und den Haushalt besser zu strukturieren.

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