Klügere Wahl

Kommentar

Artikel vom 20. September 2020 - 17:48

Von Florian Mader

Auch wenn sich die Grünen gern als "neue Volkspartei" bezeichnen - bei der Nominierungsveranstaltung in Renningen zeigt sich, dass es nach wie vor die CDU ist, die in der Gesellschaft breit verankert ist. 240 Menschen kamen in der Rankbachhalle zusammen - nicht nur wegen Corona ein ungewohntes Bild. Den grünen Kandidaten Peter Seimer hatten im März gerade mal 50 Parteimitglieder nominiert. Seine Böblinger Kollegin Thekla Walker am Samstag gar nur 24 Grüne.

Aber viele Mitglieder nutzen nicht viel, wenn die CDU am Ende zu wenig Wähler hat, um wieder stärkste Kraft zu werden. Und da müssen die Christdemokraten vor allem inhaltlich-strategisch nachdenken. Es war 2016 eine grüne Partei der Mitte mit einem grünen Landesvater an der Spitze, der ganz offensichtlich mit Ruhe, einem optimistisch-christlichen Kompass und Erfahrung bei den Wählern punktete. Gleiches galt damals für den Wahlkreis, den der erfahrende Bernd Murschel direkt gewann - ebenfalls, wie Winfried Kretschmann ein Grüner der ersten Stunde.

Dass der CDU dieser Machtverlust 2016 noch immer im Magen liegt, ist natürlich nachvollziehbar. Genauso, wie die Konsequenz, die Swen Menzel daraus ableitet, nämlich der konsequente Kampf für die Wiedergewinnung des Direktmandats. Fraglich allerdings ist seine Methode, denn mit den markigen Sprüchen seiner Rede hat er offenbar versucht, am rechten Rand einige AfD-Wähler zurückzugewinnen. Dabei hat die CDU doch viel mehr Wähler der Mitte an die Grünen verloren. Die Ökopartei war es denn auch, die Sabine Kurtz ins Zentrum ihrer Rede gestellt hat, verbunden mit ihrer Erfahrung, die sie immer wieder betonte - am Ende war sie damit erfolgreich.

Natürlich ist eine Nominierung in diesem Wahlkreis immer auch ein Duell Leonberg/Herrenberg. In diesem Fall war es aber auch eine strategische Positionierung. Und das - jedenfalls aus Sicht der CDU - wohl die klügere.

 

 

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