Böblinger berichtet besorgt aus Südafrika

Der Exil-Böblinger Hans-Adolf Bode verbringt seit Jahren seine Winter in der Nähe von Durban. Corona hat auch dort vieles verändert.

  • img
    Eindrücke aus dem nahegelegenen Durban in Corona-Zeiten Foto: Sabine Bode

Artikel vom 16. September 2020 - 19:12

Von Hans-Adolf Bode

DURBAN/BÖBLINGEN. Hier in Südafrika ist Winter, auch gibt es in manchen Gegenden Frost und sogar Schnee. Das gilt aber nicht für den Raum Durban, in dem wir unser Haus haben. Temperaturen, selbst bei Nacht, unter zehn Grad sind sehr selten, auch die Wassertemperatur im Indischen Ozean liegt immer über 20 Grad. Bedingt durch Corona ist es der erste Südafrika-Winter, den wir hier mitmachen müssen. Das Frühjahr und der Sommer ist und war immer unsere Zeit im Raum Böblingen. Aber Corona hat alles auf den Kopf gestellt.

Sehr viele Einschränkungen wurden erlassen. Der Postdienst wurde eingestellt, aber uns hat es mit dem Einstellen des Flugverkehrs besonders getroffen. Von einem Tag auf den nächsten durften keine Tabakwaren und keine alkoholischen Getränke verkauft werden. Restaurants und Hotels mussten schließen. Selbst der Personennahverkehr ging nicht mehr. Das war vor allem für die vielen Angestellten in den Privathäusern ein sehr großes Problem.

Die Regierung hatte eine riesen Angst, dass sich Corona in den Townships ausbreiten würde. Da leben viele auf engstem Raum zusammen, oft teilen sich zehn oder auch mehr Familien ein WC. Viele müssen das Wasser in Kübeln von Wasserstellen holen. Nach und nach wurden einige Lockerungen verkündet. Es blieb der Regierung gar nichts anderes übrig. Das obwohl die Rate der Infizierten auf fast 700 000 stieg. Verhungern oder an Corona sterben war die Möglichkeit. Südafrika hat etwa 50 Millionen Einwohner. Der verordnete Mundschutz wurde lange kaum eingehalten. Der Transport findet in der Regel in Kleinbussen mit meist 15 Plätzen, auch Taxis genannt, statt. Das war der Gefahrenherd Nummer eins. Seit die Regierung den Transport in diesen Taxis nur mit Maske erlaubte und streng kontrollierte, gingen die Zahlen der Infizierten fast schlagartig zurück. Inzwischen sieht man kaum noch Personen ohne Masken. Auch wir gehen keinen Schritt ohne Maske weg. Klar, einen 100-prozentigen Schutz gibt so eine Maske nicht, aber zusammen mit Maske und Abstand doch sicherlich.

Einschränkungen und Lockerungen im ganzen Land

Seit dem 15. August dürfen wieder Alkohol und Tabakwaren verkauft werden. Die Restaurants können wieder öffnen und Reisen innerhalb von Südafrika sind erlaubt. Auch die vielen, im Ausland bekannten Tierreservate haben inzwischen wieder geöffnet. Allerdings ist dies nur mit einer 50-prozentigen Belegung der Unterkünfte möglich. Es ist erstaunlich, wie die Menschen hier, zumindest im Raum Durban, die Einschränkungen befolgen.

Wir hoffen sehr, mindestens im nächsten Jahr wieder in Böblingen sein zu dürfen, beziehungsweise zu können.

Verwandte Artikel