Nach Skandal: Schlachthof Gärtringen soll wieder öffnen

Nachdem das Landratsamt auf öffentlichen Druck hin den Gärtringer Schlachthof Anfang September stillgelegt hat, haben die Betreiber nun ein Konzept mit Verbesserungen vorgelegt.

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    Im Schlachthof Gärtringen wurden grausame Tierquälereien per Video dokumentiert und das Landratsamt schloss den Betrieb vorerst. Foto: Stefanie Schlecht

Artikel vom 16. September 2020 - 18:12

GÄRTRINGEN/KREIS (red). Nach dem Skandal um Tierquälerei im Schlachthof Gärtringen und dem Beschluss, den Betrieb zu schließen, bereitet der Kreis zusammen mit dem Unternehmen einen Neustart vor. Der Vorsitzende der Genossenschaft des Schlachthofes Gärtringen, Wilhelm Dengler, hat Landrat Roland Bernhard über die Überlegungen der Genossenschaft informiert. Das teilt das Landratsamt am Mittwochnachmittag mit. Demnach hätten beide über einen möglichen Zeitplan gesprochen. Ziel des Unternehmens sei es, die baulichen Mängel vor einer Wiedereröffnung zu beseitigen, um die regionale Vermarktung zu erhalten.

"Das Landratsamt unterstützt den Betreiber bei seinen konzeptionellen Überlegungen. Ich begrüße es, dass es von Seiten der Genossenschaft bereits erste Vorstellungen für das weitere Vorgehen gibt", wird der Landrat in der Mitteilung zitiert. Wenn nun die baulichen Maßnahmen vor einer Wiederinbetriebnahme durchgeführt würden, dürfte mit einem Neustart eher "in einigen Monaten statt in wenigen Wochen" zu rechnen sein. Ihm zufolge läge darin die Chance, mit einem "grundlegend neuen Konzept" und "echten Verbesserungen" für das Tierwohl den Verbrauchern ein regionales Fleischangebot zu machen. "Die nun angerissenen Konzepte lassen einen glaubwürdigen Neustart des Schlachthofes mit modernen Konzeptionen und neuen Verantwortlichen möglich erscheinen", so die Einschätzung des Landrats.

Vertrauen zurück gewinnen

Um welche Gruppen es sich bei den "neuen Verantwortlichen" handelt, ist nicht ausgeführt. Zuletzt wurden immer wieder Forderungen erhoben, der Genossenschafts-Vorsitzende Dengler solle seinen Hut nehmen. Wie es mit ihm weiter geht und wer ihm nachfolgen könnte, ließen beide Seiten offen. Nach Angaben des Landratsamts, ist die Behörde derzeit dabei, das Videomaterial der Soko Tierschutz auszuwerten. Dies werde auch durch externe Sachverständige unterstützt. Sobald dazu erste Ergebnisse vorliegen, würden Konsequenzen gezogen.

Mit den nun geplanten baulichen und technischen Veränderungen soll sichergestellt werden, dass ein menschliches Fehlverhalten künftig "so gut wie möglich" ausgeschlossen werde, um das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen. Die Mitglieder der Genossenschaft sollen nun dieses Konzept beraten und beschließen. Landrat Bernhard wolle den Plan anschließend mit betroffen Berufsgruppen, Metzgern, Landwirten und Verbrauchern in einem Runden Tisch vorstellen. Gleichzeitig wurde das Landratsamt darüber informiert, dass für die Übergangszeit die betroffenen Metzger und Landwirte bei anderen Schlachtbetrieben Interimslösungen gefunden hätten.

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