Corona-Zahlen im Kreis steigen

Die Covid19-Infektionen im Kreis Böblingen steigen seit Tagen deutlich stärker an als in den Wochen und Monaten zuvor. Der Grund sind auch Reiserückkehrer, deren Zahl zunehmen dürfte.

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    Trotz eines "heißen" Corona-Sommers zieht es viele derzeit ins Ausland. Nicht wenige kommen mit dem Virus im Gepäck zurück Foto: Unsplash

Artikel vom 21. August 2020 - 17:12

Von Martin Dudenhöffer

KREIS BÖBLINGEN. Der Landkreis Böblingen verzeichnet in den vergangenen sieben Tagen eine unübersehbare Entwicklung hin zu einer größer werdenden Corona-Welle, ähnlich dem Monat April. Während vor dem vergangenen Wochenende die Zahl nachgewiesener Fälle im Kreis noch bei 1518 und die der Infizierten bei 59 lagen, vermelden die Behörden am Freitag dieser Woche 1574 nachgewiesene Fälle, bei nunmehr 99 Infizierten. Pro 100 000 Einwohner darf die Zahl der Neuinfektionen die Grenze von 50 innerhalb von sieben Tagen nicht überschreiten. Der Landkreis Böblingen steht mit umgerechnet bei 15,6 Fällen (Stand 21. August), noch vergleichsweise klar unter der von den Bundesländern jeweils beschlossenen Obergrenze. Die Entwicklung der letzten Tage weist dennoch in eine beunruhigende Richtung.

Alleine die vergangenen drei Tagen zeigen einen eindeutigen Trend: Am 18. August wurden 69 Infizierte an das zuständige Landratsamt vermeldet, am 19. August waren es 85 und am 20. August bereits 99 Corona-Infizierte. Positiv ist dagegen, dass es innerhalb der vergangenen sieben Tagen keinen weiteren Corona-Toten gab. Die Gesamtzahl für den Kreis Böblingen blieb stabil bei 49.

Die Verlockung in den Ferien, die Gefahren des Virus etwas mehr zu vergessen, scheint groß zu sein. Urlaubsreisen, Feiern mit Familie und Freunden - die Zeit im Sommer lädt normalerweise förmlich zu diesen Aktivitäten ein. In diesem Jahr ticken die Uhren coronabedingt aber anders. Nun scheinen sich die Befürchtungen der Virologen zu bestätigen. Fast überall in Europa steigen die Infektionszahlen stark an, von Spanien über Frankreich bis nach Kroatien werden hohe Fallzahlen gemeldet.

Deutschland reiht sich ebenfalls in diese Liste ein. Zwar gibt es hier bislang wenig sprunghafte Anstiege, dennoch gibt es aber einen deutlich erkennbaren Trend nach oben zu beobachten. Für die Behörden hat daher die Phase der höheren Alarmbereitschaft begonnen. Die Zunahme der Infektionszahlen indes hat unterschiedliche Gründe. In knapp der Hälfte aller Bundesländer dauern die Sommerferien noch an, so auch in Baden-Württemberg, wo in diesem Jahr erst am 14. September das neue Schuljahr beginnt.

Urlaubs-Rückkehrer sind ein Grund für den starker Anstieg derzeit

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat erst kürzlich ermittelt, dass 39 Prozent der Neuinfizierten von einer Auslandsreise zurückgekehrt waren. Für Reisende aus Risikogebieten besteht eine Testpflicht, die vor allem an Flughäfen wie dem in Stuttgart rege genutzt wird. Reiserückkehrer aus Baden-Württemberg haben das Virus zumeist aus dem Balkan eingeschleppt, heißt es. An der Spitze der Länder stehen Kosovo, Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina.

Es sind nach Einschätzungen der Experten aber bei weitem nicht nur die Urlauber, die für den Anstieg verantwortlich sind. Auch wenn ihre Zahl von Woche zu Woche größer wird, ist der Großteil der Neuinfektionen auf Übertragungsgeschehen in Deutschland selbst zurückzuführen. Außerdem wird auch die in den vergangenen Wochen zunehmende Unlust in der Bevölkerung, sich an die Anti-Corona-Maßnahmen zu halten, angeführt.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass in den Sommerwochen deutlich mehr getestet wurde, als noch zu Beginn der Corona-Pandemie. Auch das lasse die Zahlen nach oben schnellen, so das RKI. Während vom 9. bis 15. März deutschlandweit nur 127 457 Tests durchgeführt wurden, waren es in der Woche vom 2. bis zum 9. August 672 171. Darunter fallen auch die Pflicht-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten.

Angesichts der noch über drei Wochen andauernden Sommerferien in Baden-Württemberg ist für den Herbst ein weiterhin erhöhtes Infektionsgeschehen zu erwarten. Dazu kommt auch der Einzug kälterer Temperaturen, die der Virusausbreitung zuträglich sind. Wer bei sich Symptome entdeckt und aus einem Risikogebiet zurückgekehrt ist, sollte sich zügig an die Teststationen wenden. Alle Informationen dazu rechts.

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