37 Rehkitze mit der Drohne gerettet

Kooperation zwischen Landkreis und Jägerschaft zum Schutze der Waldtiere vor Mähmaschinen weist eine gute Bilanz auf.

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Artikel vom 10. August 2020 - 19:18

KREIS BÖBLINGEN (red). Bereits seit dem Jahr 2019 betreibt der Landkreis Böblingen ein einzigartiges Kooperationsmodell zur Rettung von Rehkitzen mit den beiden im Kreisgebiet tätigen Kreisjägervereinigungen. Die Tiere halten sich zum Schutz vor Feinden nach der Geburt häufig im hohen Gras von Wiesen auf, die genau in diesen ersten Lebenswochen gemäht werden. Die Kitze sind aus der Kabine großer Traktoren und durch die heutzutage hohe Arbeitsgeschwindigkeit so gut wie nicht zu entdecken - und anstatt vor der drohenden Gefahr davonzulaufen, löst ihr Instinkt einen Duckmechanismus aus. Der hilft gegen Greifvögel, Fuchs und Co., aber eben nicht gegen ein Mähwerk. Jährlich werden etwa 100 000 Rehkitze durch Mähmaschinen getötet. Dabei werden viele Jungtiere durch den tiefen Schnitt des Kreiselmähers zuerst verstümmelt und sind nicht sofort tot. Um den Kitzen dieses Schicksal zu ersparen, stellt der Landkreis dabei die für Rettung der kleinen Rehe notwendige Ausrüstung zur Verfügung, die Kreisjäger das ehrenamtliche Personal.

Die Kitzrettung ist den Jägern und Landwirten schon immer ein großes Anliegen. Hatte man früher mit Hunden gesucht, Vogelscheuchen aufgestellt oder mit ganzen Schulklassen die Wiesen "verstänkert", so hilft nun die moderne Technik beim Tierschutz. 2019 hatte der Kreis die mit Wärmebildkameras ausgestatteten Drohnen zunächst leihweise bereitgestellt, bis die Beschaffung von drei hochmodernen Fluggeräten für die Bergung bewilligt wurde.

Die Drohne kam 31 Mal zum Einsätze

Die Saison 2020 ist inzwischen nahezu abgeschlossen und die Bilanz kann sich sehen lassen. Bei insgesamt 21 Einsätzen (10 im Leonberger Raum, elf im Raum Böblingen) wurden dabei insgesamt 37 Rehkitze aus der unmittelbaren Gefahrenzone verbracht. 15 der kleinen Rehe konnten dabei für ein Forschungsprojekt der Wildforschungsstelle in Aulendorf für eine wissenschaftliche Auswertung markiert werden.

Landrat Roland Bernhard zeigt sich zufrieden: "Die Kooperation zwischen dem Landkreis und den beiden Kreisjägervereinigungen hat sich zum Wohle der schutzbedürftigen Jungtiere überaus bewährt. Das Projekt ist vorbildlich und unterstreicht das Verantwortungsbewusstsein bei unseren Jägern und Landwirten im Kreis Böblingen für den Schutz der heimischen Tierwelt."

Die insgesamt elf Jägerinnen und Jäger sind beim Landkreis als "Verwaltungshelfer" beschäftigt und somit ist deren Versicherungsschutz bei der Ausübung der Kitzrettung gewährleistet.

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