Humor: Bat lives matter und die Hesse-Bahn

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    Symbolbild: Unsplash

Artikel vom 18. Juli 2020 - 00:56

KREIS BÖBLINGEN (edi). Zugegeben, manchmal spinnen wir uns hier in der Bonbonfabrik ganz schön was zusammen. Offenbar sind wir damit aber nicht allein. Dafür spricht die Pressemitteilung, die der Holzgerlinger Grünen-Politiker Reinhard Hackl uns im Namen der Bürgeraktion „Unsere Schwarzwaldbahn“ geschickt hat. In dem mit der Warnung „Achtung: Beinahe Satire!“ überschriebenen Text beklagt er einen „infamen Fall von Rassismus gegen Fledermäuse“. In Anlehnung an die fast gleich klingende US-Protestaktionen will der ehemalige Landtagsabgeordnete eine „Bat lives matter“-Bewegung ins Leben rufen. Der Protest richtet sich gegen eine Person, die wir als „Bad Guy“ so nicht unbedingt auf dem Zettel hatten: Es ist die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz, die beim baden-württembergische Umweltministerium angefragt habe, ob die fluffigen Flattermänner in den Tunneln der Hermann-Hesse-Bahn Covid 19 auf den Menschen übertragen können. Den Verdacht, wies das Ministerium mit klaren Worten zurück: Heimische Fledermäuse seien keine Überträger des Virus. Vielmehr müssten die streng geschützten Tiere vor den Menschen geschützt werden, damit der Virus nicht auf sie über tragen wird. Sabine Kurtz ignoriere jedoch die Experten-Meinung, ziehe unpassende Vergleiche zu Hantavirus und Zecken und behaupte dreist, man dürfe die Tiere nicht verharmlosen. „Am Schluss muss man halt gegen die Bahn und das Tier Stimmung machen“, kündigt Hackl Widerstand „gegen die Rufschädigung der Flattertiere und der Bahn“ an. Schließlich hätten sich Landkreis und Naturschutzbund doch erst auf eine allseits verträgliche Lösung für die Tunnel geeignet. „Und jetzt erklärt eine CDU-Abgeordnete dem streng geschützten Tier den Krieg. Das kann nicht sein!“, empört sich der „Batman“ unter den Grünen-Politikern und kündigt eine Demo an, „um den Fledermaus-Rassismus im Keim zu ersticken.“ Die „Bat lives Matter“-Bewegung fordere eine Entschuldigung von der CDU-Abgeordneten. „Ihre Immunität schützt sie vielleicht vor dem Virus, aber nicht vor dem Volkszorn“, so Hackl in seinem Schreiben. Wenn wir diese „beinahe Satire“ so lesen, bekommen wir beinahe das große Flattern. Denn: Wer die verbale Keule (auf Englisch ebenso: „bat“) so heftig schwingt, darf sich nicht wundern, wenn ihm so ein „bat joke“ am Ende als „bad joke“ ganz böse auf die Füße fällt.

Aus unserer Samstagskolumne ("Bonbons")

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