Baustellen-Ärger in Böblingen: Rathaus und Händler gehen aufeinander zu

Baustellen-Situation in der Böblinger Innenstadt: Nach Brandbrief einiger Gewerbetreibender hatte OB Belz zum Austausch geladen.

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    Dauerärgernis Böblinger Baustellen: Einige Händler haben vor Kurzem einen Brandbrief geschrieben, "um ein Alarmzeichen zu setzen" Foto: Stefanie Schlecht/Archiv

Artikel vom 08. Juli 2020 - 18:37

BÖBLINGEN (red/krü). Mit überdeutlichen Worten hatten einige Böblinger Einzelhändler Ende Mai die Stadtverwaltung kritisiert. Stein des Anstoßes: Die Baustellen-Situation, seit geraumer Zeit reiht sich eine Straßensperrung an die andere. "Die Stadtverwaltung ist scheinbar willens, die Erreichbarkeit der Betriebe ganz bewusst und nachhaltig zu stören", hieß es zum Beispiel in dem Brandbrief. Oder: "Was Corona und der Online-Handel nicht hinbekommen, schafft die Stadtverwaltung." Obwohl die städtischen Verantwortlichen regelmäßig die Notwendigkeit der Baumaßnahmen betont hatten, war großer Unfrieden entstanden.

Bereits direkt nach der heftigen Einzelhändler-Kritik hatte Oberbürgermeister Stefan Belz angekündigt, das Gespräch suchen zu wollen. In der vergangenen Woche haben sich nun einige Unternehmer mit Vertretern des Gemeinderats, dem Wirtschaftsförderer Dominic Schaudt und dem OB getroffen. Themen waren die anstehenden Entwicklungsmaßnahmen in der Innenstadt, die damit verbundenen Baustellen, die medial geäußerte Kritik und Wege zu einer besseren Einbindung interessierter Unternehmen. Und die Beteiligten zeigten sich mit dem Verlauf recht zufrieden.

Die Gewerbetreibenden Helmut Baur, Thomas Kurz, Ralf Maurer und Oliver Netuschil waren im Rathaus zu Gast, es kam zu einem intensiven und offenen Austausch. Bei dem Termin konnten die Einzelhändler ihre Sorgen und Nöte gegenüber der Stadt deutlich formulieren. Neben den Beweggründen für die Kritik standen in dem 90-minütigen Dialog die Entwicklungsmaßnahmen in der Innenstadt, die geplanten Baustellen vor Beginn der A81-Modernisierung und Ideen für eine Verbesserung der Kommunikation im Zentrum. Ein weiteres Gespräch ist nun in Vorbereitung.

"Wir haben bewusst ein Alarmzeichen mit unserem Schreiben setzen wollen. Wir begrüßen den offenen Austausch und setzen den Dialog gerne fort", signalisiert Oliver Netuschil stellvertretend für die Unternehmer. Dass deshalb die Baustellen-Probleme für die Händler nicht aus der Welt geschafft sind, machte Netuschil auf KRZ-Nachfrage deutlich: "Aus meiner Sicht laufen die Planung und die Umsetzung der Projekte nicht gut", kritisiert der BMW-Händler, "oft genug hatte ich das Gefühl, dass bestimmte Maßnahmen nicht sinnvoll sind oder eine Baustelle nicht schnell genug vorangeht." Die Stadtverwaltung solle die Bauprojekte besser kontrollieren, findet Netuschil. Gleichzeitig habe jetzt ein gutes und konstruktives Gespräch stattgefunden. "Unsere Kritik wurde immerhin einmal gehört - da hat man ein gewisses Miteinander gespürt, was wir sonst oft vermissen."

Konstruktives Miteinander wird angestrebt

Laut Pressemitteilung der Stadt hätten die Vertreter aus Stadtverwaltung und Gemeinderat bei dem Termin die Rolle eines attraktiven Dienstleistungs- und Einzelhandelsangebots für die Böblinger Innenstadt gewürdigt und die Herausforderungen anerkannt, die für die Betriebe durch die Corona-Pandemie, den Online-Handel und den zunehmenden Wettbewerb innerhalb der Region hinzugekommen seien. "Die Beteiligten sind sich einig, dass ein gemeinsames Auftreten und Zusammenhalt in und für Böblingen wichtig ist", heißt es in der Pressemitteilung.

"Verschiedene Meinungen zu vertreten, ist von Bedeutung, diese müssen abgewogen und im Sinne einer positiven Entwicklung unserer Stadt bewertet und in Entscheidungen einbezogen werden", wird Oberbürgermeister Stefan Belz zitiert, "ein gutes, konstruktives Miteinander zwischen Gewerbe, Gemeinderat und Verwaltung ist dabei die wesentliche Grundlage für eine gelungene langfristige Stadtentwicklung."

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