"Wir schreiten ein, wenn Regeln nicht beachtet werden"

Nachgefragt

Wenn die Stimmung gegenüber der Polizei kippt, seien oft Alkohol, Gruppendynamik und Imponiergehabe schuld, sagt der Polizei-Sprecher Peter Widenhorn.

Artikel vom 06. Juli 2020 - 18:12

Von Robert Krülle

Hallo Herr Widenhorn, folgen aus lauen Sommernächten derzeit automatisch Konflikte mit der Polizei und Krawalle?

Diesen Automatismus würde ich so nicht sehen. Nicht jede Feier endet mit Konflikten oder Auseinandersetzungen mit der Polizei. Unsere Einsatzkräfte treffen häufig auf Menschen, die in gelöster Stimmung sind, keinerlei Aggression im Sinn haben und polizeilichen Maßnahmen mit Verständnis begegnen. Wenn die Stimmung umkippt, ist es häufig einer Mischung aus Alkoholkonsum, Gruppendynamik und Imponiergehabe geschuldet.

Spielt da die Corona-Zeit auch eine Rolle?

Ob das mit Corona zu tun hat, ist schwer zu sagen. In letzter Zeit waren natürlich viele Anlaufpunkte von Feiernden nicht zugänglich und sind es zum Teil immer noch. Dann konzentrieren sich viele Leute an wenigen Orten. Insgesamt stellen wir fest, dass polizeiliche Maßnahmen häufiger in Frage gestellt werden. Auch von völlig unbeteiligten Dritten, die dies tun, ohne den Anlass für den Einsatz zu kennen, und sich dann plötzlich solidarisieren.

Die Krawalle in Stuttgart sorgten bundesweit für Aufsehen. Wenn dort jetzt deutlich stärker kontrolliert wird, trifft man sich dann wieder mehr im Umland, zum Beispiel am Langen See auf dem Flugfeld?

Das der Lange See auch Publikum aus benachbarten Kommunen anzieht, ist sehr wahrscheinlich. Ganz überwiegend sind es aber feiernde Jugendliche und junge Erwachsene aus Böblingen und Sindelfingen, die dort häufig anzutreffen sind.

Seit Mai 2019 tragen die Beamten im Präsidium Bodycams. Kamen diese am Wochenende in Böblingen zum Einsatz?

Die Beamten hatten Bodycams dabei, der Einsatz war jedoch wenig Erfolg versprechend. Denn die Kameras entfalten ihre präventive Wirkung, wenn gesagt wird: Hey Leute, wir filmen das jetzt, verhaltet Euch ruhig! Und diese Ansage bei den Personen vor Ort auch ankommt. Doch das funktioniert nicht, wenn die Situation aus dem Ruder gelaufen ist oder aufgrund von Alkohol- und Drogeneinfluss. Dann ist die Wirkung der Kamera begrenzt. Die Bodycams nur zur Beweissicherung einzusetzen, ist nicht der vorrangige Zweck der Geräte.

Wie sieht die Perspektive für die Polizei bezüglich der Konflikte mit Feiernden in nächster Zeit aus? Warten die Beamten jedes Wochenende auf den nächsten Megazoff?

Nein, das tun wir nicht. Wir wollen aber an die Feiernden appellieren, sich an die Spielregeln zu halten. Unsere Kolleginnen und Kollegen schreiten ein, wenn diese Regeln nicht beachtet werden und Feiern aus dem Ruder laufen. Wir bereiten uns sowohl personell als auch konzeptionell auf entsprechende Entwicklungen vor, damit sich krawallartige Szenen nicht wiederholen.

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