US-Army-Schießlärm in Böblingen: Schallschutz erst 2021

Mit über einem Jahr Verspätung sollen auf dem Trainingsgelände der US-Armee im Böblinger Wald im Frühjahr 2021 die Bauarbeiten für einen besseren Lärmschutz beginnen. Eigentlich hätte der längst stehen sollen. Abzugspläne spielen keine Rolle.

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    US-Schießanlage im Böblinger Wald: Mit über einem Jahr Verspätung sollen Lärmschutz-Elemente gebaut werden. Foto: US Army Garrison Stuttgart

Artikel vom 02. Juli 2020 - 14:36

Von Jan-Philipp Schlecht

BÖBLINGEN. Die Verringerung des Schießlärms von der Böblinger Panzerkaserne lässt weiter auf sich warten. Wie die Stadt Böblingen mitteilt, sollen erst 2021 die Bauarbeiten für die Schallschutzelemente beginnen. Lärmgeplagte Anwohner müssen sich also noch gedulden. Bereits 2018 wurde die Lösung für das seit Jahren andauerende Lärmproblem aufgezeigt: Schräg nach oben gerichtete Holzblenden sollen den Krach der Gewehrsalven gen Himmel schicken. Eigentlich hätten die Schallschutzelemente bereits in diesem Jahr gebaut werden sollen. Nun wird es wohl erst im kommenden Frühjahr so weit sein.

Im Juni fand ein Termin dazu für die Schießanlage Murkenbach mit allen Verantwortlichen statt, um den aktuellen Stand des Projekts und das weitere Vorgehen zu besprechen, sagt die Stadt. Teilgenommen haben Vertreter der U.S. Army Garrison Stuttgart und der militärischen US-Bauverwaltung Wiesbaden, der Stadt Böblingen und des Bundesbaus Baden-Württemberg, Staatliches Hochbauamt Stuttgart.

Der Kommandeur der U.S. Army Garrison Stuttgart, Colonel Jason W. Condrey, und Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz bekräftigen: "Wir arbeiten gemeinsam unter Hochdruck daran, dass die Lärmschutzmaßnahmen auf den Schießbahnen 4 und 5 so schnell wie es geht umgesetzt werden. Es ist ein komplexes und einmaliges Projekt, das allen viel abverlangt. Trotz Verzögerungen geht es vorwärts, und wir sind so weit wie nie zuvor!"

Das Staatliche Hochbauamt, das mit dem Bau befasst ist, hat den neuen Zeitplan vorgestellt. Die abgestimmten Planungen werden im November 2020 abgeschlossen, sodass die Bauleistungen im Dezember 2020 ausgeschrieben werden können. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2021 vorgesehen, die Arbeiten werden rund ein Jahr in Anspruch nehmen.

Währenddessen wird auf den betroffenen Bahnen 4 und 5 kein Schießbetrieb stattfinden. Das Training, das normalerweise dort durchgeführt wird, soll in erster Linie auf die Schießanlagen 1 bis 3 verlegt werden, alternativ dazu auch auf dem Trainingsgelände im rheinland-pfälzischen Baumholder südlich von Idar-Oberstein und in einigen Fällen auf dem Trainingsgelände in Grafenwöhr in Bayern.

Als Leiter des Staatlichen Hochbauamts Stuttgart erläutert Armin Weber: "Grund für die bisherigen Verschiebungen sind längere Planungen und umfangreichere Abstimmungen beziehungsweise Freigaben zwischen deutscher und US-Seite wie auch die Einschränkungen durch das Corona-Virus seit Mitte März."

Weitere Faktoren, die möglicherweise Einfluss auf Baubeginn und -ablauf nehmen können: Entwicklung der Baukosten, Verfügbarkeit von Bauunternehmen und Material zum Zeitpunkt von Ausschreibung und Bauzeit, Wetterbedingungen während der Bauzeit.

"Das macht uns alles andere als zufrieden. Wir müssen aber damit zusammen bestmöglich umgehen, wie bei anderen Bauprojekten auch. Wir wissen, dass das die Geduld der Betroffenen weiter auf die Probe stellt. Aber ich bin überzeugt: Alle Beteiligten betreiben den größtmöglichen Aufwand, um dieses umfassende Projekt so schnell wie irgend möglich zu realisieren. Die Zielgerade ist in Sicht", sagt die Böblinger Bürgermeisterin Christine Kraayvanger.

Positives berichtete das Hochbauamt: Der vom Gemeinderat 2018 beschlossene Kostenanteil der Stadt Böblingen von maximal 300 000 Euro für lärmmindernde Türen lässt sich nach aktuellen Berechnungen gut halten. "Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht und spricht für eine realistische Kostenschätzung", sagt OB Belz. Die weiteren benötigten Finanzmittel für die Maßnahmen zur Lärmreduzierung werden von der U.S. Army übernommen.

Oberbürgermeister Stefan Belz: "Alle sind fokussiert auf das gemeinsame Ziel. Wir brauchen Verbindlichkeit zum Projekt unter den Beteiligten. Verbindlichkeit schafft Verbindung, Verbindung schafft Vertrauen. Wir sind so nah dran wie nie zuvor, die Situation für die Betroffenen zu verbessern. Selbst wenn von den letzten Schritten, die wir gehen müssen, ein paar vielleicht länger werden sollten: Die Maßnahmen zur Lärmreduzierung kommen. Deshalb habe ich mich persönlich dafür eingesetzt, die Projektbesprechungen künftig enger zu takten."

Colonel Jason W. Condrey springt ihm bei: "Auch wenn noch Dinge zu koordinieren und abzustimmen sind, etwa mit Blick auf die Schießtrainings während der Bauzeit - wir machen Tag für Tag Fortschritte durch die gemeinsamen hohen Anstrengungen. Alle sind konstruktiv und offen bei der Sache. Genau so werden wir die vor uns liegenden Aufgaben lösen und das Projekt zum erfolgreichen Abschluss bringen."

Anfang Juli trafen sich U.S. Army, Stadtverwaltung und Hochbauamt im Zuge der Erkenntnisse der Projektbesprechung außerdem mit Vertretern der Betroffenen (Nachbarschaft Rauher Kapf und Tannenberg), um diese über den aktuellen Stand zu informieren. "Uns ging es darum, Verständnis und Wertschätzung auszudrücken, den komplexen Prozess für die Betroffenen transparent zu machen und direkt um Verständnis für den weiteren Weg zu werben", erläutern Colonel Condrey und OB Belz. Künftig werden die Besprechungen in kürzeren Abständen stattfinden, bis zum Baubeginn sollen alle Beteiligten einmal im Quartal zusammenkommen, um den Prozess eng zu begleiten und gut voranzukommen.

Ende November oder Anfang Dezember, wenn die abgestimmte Ausführungsplanung steht, wird sich die sogenannte "AG Schießlärm" treffen. Teilnehmer sind die Mitglieder der Projektgruppe, die Immissionsschutzstelle der Bundeswehr, Vertreter der betroffenen Nachbarschaft sowie die Böblinger Bundestagsabgeordneten Marc Biadacz und Florian Toncar. Beide haben den Prozess zur Lärmminderung durch ihre Kontakte zur Bundesregierung mitgestaltet und unterstützt.

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