Junge Menschen demonstrieren in Sindelfingen für Rechtsstaatlichkeit

Ring politischer Jugend setzt in Sindelfingen ein friedliches Zeichen für respektvollen Umgang.

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    Nach den Krawallen in Stuttgart: Vorwiegend junge Demonstranten auf dem Marktplatz wollen ein Zeichen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit setzen. Fotos: Stefanie Schlecht

Artikel vom 28. Juni 2020 - 20:07

Von Holger Schmidt

SINDELFINGEN. Das würde so mancher Polizist sicher gerne öfter erleben: Viel Applaus ernteten die beiden Ordnungshüter, die am Samstagnachmittag ihre wachsamen Augen auf die Kundgebung des Rings politischer Jugend richteten. Rund zwei Dutzend überwiegend junge Menschen waren auf den Sindelfinger Marktplatz gekommen, um dort ein klares Zeichen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu setzen. "Wir wollen zeigen, dass man friedlich zusammen leben und respektvoll diskutieren kann", so Initiator Dominik Ernst.

Dass der Ring politischer Jugend als Dachverband der Jugendorganisationen von CDU, SPD, FDP und den Grünen nach mehreren Jahren der Inaktivität gerade jetzt wiederbelebt wurde, hat seinen guten Grund: Die Ausschreitungen am vorvergangenen Wochenende in Stuttgart mit Jagdszenen auf Polizei und Rettungskräfte, Vandalismus und Plünderungen. "Was passierte, war grauenvoll", sagte Dilara Akpinar von der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Vielfalt im Kreis Böblingen. "Es waren schreckliche Bilder, 500 Chaoten haben wahllos randaliert", erklärte Matthias Miller von der Jungen Union. "Gewalt ist nie ein Weg", bekräftigte Tobias Bacherle von der Grünen Jugend. Von "Gewaltexzessen" sprach Xenia Aberle vom Regionalen Demokratiezentrum im Landkreis Böblingen.

"Demokratie heißt, dass wir miteinander reden", unterstrich Tobias Bacherle, "Rechtsstaatlichkeit, das macht uns aus." Man müsse miteinander reden, statt übereinander, meinte Dilara Akpinar mit Blick auf die durch Polizeigewalt in den USA aufgeflammte Rassismusdebatte und sieht Migranten in der Erinnerung an die Mordserie der NSU oft zu Unrecht unter Generalverdacht. "Von latentem Rassismus in der Polizei zu sprechen, halte ich für hochgefährlich", warnte in diesem Zusammenhang allerdings Matthias Miller. Vor allem für seinen Satz "Rechtsfreier Raum ist ein Zustand, den wir nicht akzeptieren können", mit dem er eine Lanze brach für die Polizei, erntete er viel Beifall.

Wie man von links bis rechts durchaus auch Kritik äußern kann, dies aber im respektvollen Rahmen, zeigt beispielhaft der Ring politischer Jugend. Neue Mitstreiter dürfen jederzeit dazustoßen. "Unsere demokratische Grundordnung ist Angriffen von allen Seiten her ausgesetzt", rief Dominik Ernst am Samstag in Sindelfingen zum aktiven Mitmachen auf.

Bei der Kundgebung auf den Sindelfinger Marktplatz war auch Marc Biadacz als Zaungast mit dabei. "Ich hätte mir gewünscht, dass noch ein paar mehr Bürgerinnen und Bürger gekommen wären", meinte der CDU-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Böblingen mit Blick auf die nicht nur wegen des heftigen Regenschauers zum Auftakt doch recht überschaubare Beteiligung nachdenklich.

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