Schönaich: Honeywell will Standort bis 2022 schließen

Als einer der größten Arbeitgeber in Schönaich will Honeywell seinen dortigen Standort binnen zwei Jahren dichtmachen. Bis zu 160 Arbeitsplätze sollen wegfallen.

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    Der Honeywell-Standort in Schönaich soll bis 2022 schließen. Die Mitarbeiter stehen jetzt vor einer ungewissen Zukunft. Foto: Archiv/Bischof

Von Jan-Philipp Schlecht

Artikel vom 19. Juni 2020 - 10:35

SCHÖNAICH. Das Schönaicher Honeywell-Werk soll bis 2022 geschlossen werden. Diese Befürchtung äußerte die Gewerkschaft IG Metall am Donnerstag in einer Pressemitteilung. An dem Standort des US-amerikanischen Mischkonzerns sind derzeit 160 Mitarbeiter beschäftigt. Bereits im Jahr 2018 musste man dort einen Aderlass verkraften, da Teile der Produktion und Entwicklung nach Indien verlagert werden sollten. Nun soll die Geschichte von Honeywell in Schönaich bis 2022 endgültig zu Ende gehen.

Honeywell-Sprecher Graham Campbell sagt dazu auf Nachfrage der Kreiszeitung lediglich: "Honeywell schlägt vor, mehrere Aktivitäten vom Standort Schönaich in Deutschland zu verlagern und an Dritte und andere Honeywell-Standorte in Europa zu übertragen. Wir sind uns bewusst, dass dies leider die Mitarbeiter betrifft, und verpflichten uns zu einer offenen Kommunikation während des gesamten Zeitraums der Beratung darüber. Wir werden alle lokalen Gesetze und alle gesetzlich vorgeschriebenen Mitteilungs-, Beratungs- oder Verhandlungspflichten befolgen." Weitere Details zum Vorgehen und zum Stand der Verhandlungen mit dem Betriebsrat oder der Gewerkschaft waren nicht zu erfahren.

"Die damals vom Verhandlungsteam geäußerte Befürchtung, dass der gesamte Standort gefährdet ist, hat sich nun bewahrheitet", schreibt die Gewerkschaft IG Metall.  Das Unternehmen hat die Betriebsräte und die betroffenen Kolleginnen und Kollegen offenbar am 16. Juni 2020 darüber informiert.

Nur wenige Mitarbeiter sollen verschont bleiben

Von den zirka 160 Kolleginnen und Kollegen soll nur eine kleine Zahl an einem anderen Standort weiterbeschäftigt werden, will die IG Metall erfahren haben. Die meisten der betroffenen Mitarbeiter sind über 50 Jahre alt und sind im Durchschnitt fast 30 Jahre im Unternehmen beschäftigt.  „Es ist wirklich unglaublich, wie Honeywell mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umgeht. Kaum sind alle Verlagerungen ins Ausland erfolgreich abgeschlossen, werden die Beschäftigten nicht mehr gebraucht", sagt Britta Cartarius, IG Metall Gewerkschaftssekretärin.

Noch letzte Woche wurde offenbar samstags gearbeitet, nun diese Hiobsbotschaft verkündet. Cartarius: "Wie der Konzern mit den Menschen bei Honeywell umgeht, ist skrupellos. Wie schon 2018, werden wir unsere Mitglieder wieder tatkräftig unterstützen.“

Im Produktionssitz an der Böblinger Straße, der einst aus dem Unternehmen Centra-Bürkle hervorging, wird bis dato Steuer- und Regelungstechnik im Klimabereich für größere Gebäude entwickelt und produziert. "Ein sehr konservatives Geschäft mit langen Entwicklungszyklen und Kundenbeziehungen", sagte bei der Kündigungswelle vor zwei Jahren einer der Entwickler.