Ungeklärte Schießerei und viel Kokain

Unklar sind immer noch die Hintergründe der Schießerei in Schönaich am Ostermontag 2019. Ein 33-jähriger Ehninger, der derzeit in Stuttgart auf der Anklagebank sitzt, könnte etwas damit zu tun haben.

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Artikel vom 17. Juni 2020 - 07:00

Von Bernd Winckler

STUTTGART/SCHÖNAICH/EHNINGEN. Kokainhandel, Betrügereien mit Immobilien, Waffenbesitz und eine fast tödliche Schießerei vor einem Lokal in Schönaich: Der Prozess gegen einen 33-jährigen Mann aus Ehningen vor dem Stuttgarter Landgericht zieht sich in die Länge, obwohl er nach Terminplan längst zu Ende sein sollte. Doch der 33-Jährige soll nur als Randfigur der vorgeworfenen Taten gelten.

Nahezu zwei Monate schon verhandelt die 17. Große Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts gegen den 33-jährigen ledigen ehemaligen Tankwart und nach eigenen Bekundungen Messebau-Helfer. Zusammen mit Mittätern soll er einen regelrechten Drogenring im Landkreis Böblingen betrieben und seine Ehninger Wohnung als Rauschgiftbunker zur Verfügung gestellt haben. Dazu habe er auch scharfe Waffen besessen - und zwar "griffbereit", wenn Drogenfahnder bei ihm auftauchten, so der Staatsanwalt in der Anklageschrift: Drogenhandel mit Waffen, so der juristische Begriff. Auch ein 80 000-Euro-Immobiliengeschäft, bar und ohne Quittung abgewi-ckelt, interessiert die Richter.

Doch ist der Mann tatsächlich ein Drogendealer? Er selbst weist den größten Teil der Vorwürfe zurück. Das bei ihm gefundene Rauschgift - immerhin über ein Kilogramm guter Ware - habe er nur im Auftrag anderer Täter gelagert, sagt er. Doch wie sich am vierten Verhandlungstag erhellte, werden die vom Gericht geladenen Zeugen, alles einstige mutmaßliche Mittäter, zwar der Zeugenladung folgen, ließen aber bereits über ihre Anwälte wissen, dass sie von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen. Das steht ihnen zu, solange gegen sie ermittelt wird.

Auch dieser Umstand macht es den Richtern schwer, den Fall zu klären. Immerhin hatte am 12. November 2019 die Polizei in einer Blitzaktion in Böblingen, Ehningen, Schönaich und Waldenbuch Wohnungen und Lokale durchsucht und dabei Waffen und größere Mengen Drogen sichergestellt. Auch in der Wohnung des 33-Jährigen.

Der Fall ist jedoch recht brisant: Am frühen Morgen des Ostermontags 2019 gab es vor dem Schönaicher Lokal "Texas Lounge" eine Schießerei. Dabei wurde der Wirt der Gaststätte schwer verletzt. Zeugen hatten berichtet, dass es zuvor zwischen einem mutmaßlichen Schützen und dem Wirt eine verbale Auseinandersetzung gab. Danach fielen die Schüsse. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der oder die Täter ebenfalls zum Bereich der Drogenbande gehören, von der jetzt der 33-jährige Ehninger auf der Anklagebank sitzt. Der jedoch sagt zu diesem Vorfall gar nichts.

Wer hat auf den Wirt der "Texas Lounge" in Schönaich geschossen?

Nach wie vor ist der Schütze unbekannt und noch nicht ermittelt worden. Auch das Motiv ist offen. Die 17. Strafkammer, die wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels, Waffenbesitzes und anderer Delikte gegen ihn verhandelt, wäre im Fall der Schießerei gar nicht zuständig. Wie der Staatsanwalt sagt, würde dieser Fall als versuchtes Tötungsdelikt in die Zuständigkeit der Schwurgerichtskammer fallen - wenn man einen Täter habe. Trotzdem wollen die Richter sich sachkundig machen, ob die Schießerei und die jetzt angeklagten Rauschgiftgeschäfte im Zusammenhang stehen. Dazu wird noch bis Mitte Juli verhandelt.

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