Mehrjährige Haftstrafen für Drogenhändler

Angeklagte aus Herrenberg, Steinenbronn und Sindelfingen haben zwischen 40 und 60 Kilogramm Marihuana und Kokain "verdealt".

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    Sechs der Angeklagten erhielten vor Gericht mehrjährige Haftstrafen Symbolbild: Archiv

Artikel vom 04. Juni 2020 - 18:00

Von Bernd S. Winckler

KREIS BÖBLINGEN. Nach sechs Monaten und 41 Verhandlungstagen sind am Stuttgarter Landgericht jetzt sechs von sieben Drogenhändlern aus Herrenberg, Steinenbronn, Sindelfingen, Backnang, Echterdingen und Stuttgart erste Urteile gesprochen worden. Ein Gastwirt muss siebeneinhalb Jahre hinter Gitter, fünf weitere Angeklagte bekamen ebenfalls mehrjährige Haftstrafen. In dem Prozess ging es um rund 60 Kilogramm Drogen. Gegen einen letzten Beschuldigten wird noch weiter verhandelt.

Zuerst hatten alle sieben Angeklagten vor Gericht zu den Vorwürfen geschwiegen. Die Anklage war immens: 2,5 Millionen Euro sollte die Bande in der Zeit zwischen März 2018 bis Januar 2019 erwirtschaftet haben. Mehrere hunderttausend Euro Drogengeld wurden anlässlich einer Razzia und den Festnahmen im Mai 2019 beschlagnahmt, sowie ein Koffer mit Goldbarren. Von den insgesamt zwölf Festgenommenen saßen ab dem 8. Januar dieses Jahres die sieben Männer mit syrischen, mazedonischen und türkischen Wurzeln auf der Anklagebank der 8. Strafkammer. Die Anklagebehörde hat die Männer dem Umfeld der kurdisch dominierten "Street Gangs" zugeordnet.

Bis auf einen 28-jährigen aus Stuttgart sind nunmehr sechs der Bandenmitglieder abgeurteilt. Der Hauptangeklagte, ein 39-jähriger Gastwirt aus Echterdingen, ist wegen bandenmäßigem Rauschgifthandel zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden, Strafen von vier, viereinhalb und fünfeinhalb Jahren setzte es für den Rest der Bande, wobei ein 24-Jähriger mit einer 22-monatigen Bewährungsstrafe davonkam. Er galt nur als kleines Rädchen in dem großen Drogengeschäft, wie die Richter feststellten. Von den angeklagten 20 Einzelfällen, in denen es auch um Geldwäsche ging, ist gut die Hälfte übrig geblieben.

Die Angeklagten hatten im Laufe des Mammutverfahrens nach anfänglichem Schweigen doch noch Geständnisse abgegeben, dabei jedoch die Rauschgiftmengen relativiert, sodass unter dem Strich von den vorgeworfenen rund 60 Kilogramm gerade noch 35 Kilo Marihuana und einige Kilo Kokain übrig blieben.

Der wichtigste Fall, in dem es am Abend des 21. Januar 2019 um die Übergabe von zehn Kilogramm Rauschgift im Einkaufswert von 33 000 Euro an einer Tankstelle in Backnang ging, ist allerdings noch strittig. Der 28-jährige Angeklagte, der diese Riesenmenge Drogen damals von einem Kurier aus Sindelfingen bekommen haben soll, bestreitet nach wie vor, bei diesem Geschäft dabeigewesen zu sein und fordert Freispruch. Über diesen Anklagepunkt muss die Strafkammer noch weitere Beweise erheben - und hat zusätzliche Verhandlungstage bis in den August festgelegt. Ebenfalls an einer Tankstelle im Rems-Murr-Kreis hatten die Angeklagten bereits eine Woche zuvor von einem Lieferanten aus Frankfurt ein Kilo reines Kokain zum Preis von 36 000 Euro erhalten. Dies ist inzwischen auch per Geständnis zugegeben worden.

Raffinierte Kommunikation bereitet der Polizei Kopfzerbrechen

Dass die sieben Männer auch Mitte des Jahres 2019 ein Kokaingeschäft mit 90 Prozentiger Stoff-Reinheit in Steinenbronn zum Preis von knapp 400 000 Euro getätigt hatten, war nun zum Prozess-Abschluss nicht mehr nachweisbar. Immerhin hatte die Bande, von denen jetzt sechs verurteilt sind, technisch raffiniert umgerüstete Mobiltelefone für ihre Kommunikation benutzt, die der Polizei Kopfzerbrechen bereitete, weil sie nicht abgehört werden konnten. Das sichergestellte Geld, zahlreiche Handys, dazugehörige Sim-Karten, Navigationsgeräte und Drogen-Utensilien sind vom Gericht eingezogen worden. Wann ein Urteil gegen den Letzten der Bande gesprochen wird, ist noch offen.

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