Händler-Kritik an Verkehrspolitik: Stadträte reagieren verschnupft

Namhafte Böblinger Einzelhändler haben sich lautstark über die Böblinger Verkehrspolitik beschwert. Doch die Wortwahl des Protests stößt Böblinger Stadträten sauer auf.

  • img
    Baustellen führen zu Schilderwald Foto: STS

Artikel vom 28. Mai 2020 - 19:00

BÖBLINGEN (krü). Mit harschen Worten haben einige Böblinger Einzelhändler am Mittwoch ihrem Unmut über die städtischen Straßenbaumaßnahmen Luft gemacht und einen Rundbrief an die Mitglieder des Gewerbeforums verfasst (die KRZ berichtete gestern). Unter anderem werden der Stadtverwaltung "planerisches Unvermögen und Tricksereien" vorgeworfen. Zudem seien die Beschilderungen der Ausweichstrecken "stümperhaft".

Kein Wunder, dass dies am selben Abend im Technischen Ausschuss des Böblinger Gemeinderats zur Sprache kam. Manche Kritik sei berechtigt, aber der raue Ton irritierte die Stadträte offensichtlich. "Die Verkehrsführung ist definitiv verbesserungswürdig", sagte Ingrid Stauss (Freie Wähler), mit ihrem Porzellangeschäft selbst Mitglied des Gewerbeforums, "an vielen Stellen weiß man nicht mehr, wo langfahren." gleichzeitig aber zeigte sich Stauss, selbst Einzelhändlerin, von der schroffen Wortwahl des Schreibens brüskiert. "Dieser Ton gefällt mir überhaupt nicht", sagte sie, "und gleichzeitig wird kein Wort verloren, wie man es konkret besser machen könnte."

Ins gleiche Horn stieß Frank Hinner: "Sollen wir jetzt alle Baumaßnahmen abbrechen?", fragte der Freie Wähler. Offensichtlich habe man aber verpasst, die Gründe für die Baustellen noch besser zu kommunizieren. "Wir haben gewusst, dass es hart wird, wenn wir alle diese Maßnahmen durchziehen", sagte Frank Hinner (Freie Wähler), "aber anscheinend hapert es mit der Kommunikation."

Auch Oberbürgermeister Stefan Belz zeigte sich irritiert ob der heftigen Kritik. "Wir sanieren bei diesen Baustellen auch alle Leitungen und Kanäle im Untergrund - das muss sein", betonte er, "zudem war immer unser Ziel, vor dem Start des A81-Ausbaus fertig zu sein." Deshalb gehe es jetzt Schlag auf Schlag, und die Planung sei sehr komplex. Gleichzeitig gab auch Belz zu, dass es Verbesserungsbedarf bei der Beschilderung gebe. "Das habe ich bereits vor einiger Zeit intern deutlich gemacht, dass da etwas passieren muss", sagte er. Auf alle Fälle wolle er mit den Händlern ins Gespräch gehen. "Verhärtete Fronten sollten wir verhindern."

Verwandte Artikel