Böblinger Einzelhändler rufen wegen Verkehrspolitik zu Protestaktion auf

Eine Baustelle nach der anderen und Corona drückt auch auf die Stimmung. Einige Böblinger Einzelhändler sehen sich durch die Verkehrsplanung der Stadt schikaniert und starten nun eine Protestaktion. Die Stadt will die Wogen glätten und lädt bald zum Gespräch.

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    Baustellen führen zu Schilderwald Foto: STS

Artikel vom 27. Mai 2020 - 17:10

Von Jan-Philipp Schlecht

BÖBLINGEN. Die angespannte Verkehrslage in der Böblinger Innenstadt bringt die Einzelhändler gegen das Rathaus auf. Während der Corona-Krise hat die Stadtverwaltung die allgemein entspannte Verkehrssituation genutzt, und die Bautätigkeit noch einmal gesteigert. Vielen Einzelhändlern geht dies nun entscheiden zu weit. Sie haben einen Rundbrief an die Mitglieder des Gewerbeforums verschickt und diese zum Protest gegen die Verkehrspolitik der Stadt aufgerufen. Zu den Unterzeichnern gehören Helmut Baur (Binder Optik), Max Nowak (Reformhaus Klett), Friedhelm Kröhnke (Expert Kröhnke), Thomas Kurz (Foto Kurz), Jürgen und Gerhard Früh (Optik und Uhren Früh), Ralf Maurer (Leder Maurer), Oliver Netuschil (BMW Netuschil).

Durch zahlreiche Baustellen, insbesondere auf der Herrenberger und Calwer Straße, müssen Autofahrer derzeit viele Staus und Umwege in Kauf nehmen. Die Baumaßnahmen stehen in Zusammenhang mit der Umgestaltung des Böblinger Elbenplatzes und einer damit verbundenen Neuordnung des Verkehrsraumes: Autospuren müssen vielerorts Radwegen weichen. So verliert etwa die Calwer Straße als wichtige Ausfallstraße in Richtung Hulb, Dagersheim, Sindelfingen (Mercedes-Benz) sowie Grafenau, Calw und Aidlingen je Fahrtrichtung eine Autospur. Stattdessen entsteht in beide Richtungen ein großzügig dimensionierter Radweg. Die Folge: Auf der Spur kommt es zu Staus bis in die Herrenberger Straße hinein, da der Verkehr nicht abfließen kann. Gegen diese und weitere Planungen laufen die Händler jetzt Sturm.

In dem Brief geißeln sie die Verkehrspolitik in scharfen Worten als "Schikane" und "Diskriminierung von Menschen, die auf Fahrten mit dem PKW angewiesen sind". Weiter heißt es: "Die Stadtverwaltung ist scheinbar willens, die Erreichbarkeit der Betriebe ganz bewusst und nachhaltig zu stören." Außerdem wird der Vorwurf formuliert, mit "Tricksereien" und dem "Lancieren von Halbwahrheiten" viele Existenzen in den Innenstadt-Geschäften zu bedrohen. Die Wut gipfelt in dem Ausspruch: "Was Corona und der Online-Handel nicht hinbekommen, schafft die Stadtverwaltung."

Protestaktion mit Aufklebern

Die Gewerbetreibenden wollen eine gemeinsame Aktion starten, um ihren Protest nach außen sichtbar zu machen: "Im ersten Schritt planen wir, kurzfristig Schaufensteraufkleber und/oder Plakate anfertigen zu lassen, um damit Flagge zu zeigen." Weitere Ideen und Anregungen seien ausdrücklich erwünscht, Gewerbetreibende und Händler sollen sich bis zum 2. Juni zurückmelden.

Nach wie vor ist Berit Erlbacher als Vorsitzende des Gewerbeforums geschäftsführend im Amt, obwohl sie im Herbst 2019 gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Andrea Hamann nach internen Differenzen öffentlichkeitswirksam zurückgetreten war. Erlbacher fügte dem Aufruf noch eine kurze Notiz hinzu: Sie sei daran interessiert, "hier mitzudenken und meine Ideen einzubringen. Es ist wichtig, unsere nächste Umgebung belebt, für alle erreichbar, barrierefrei, einladend, offen und vielfältig zu halten."

In ihrer Antwort auf den Vorstoß der Händler versucht die Stadt, die Wogen zu glätten: "Aufgrund von Corona haben sich die Belastungen für Gewerbetreibende und Einzelhändler verschärft. Das sehen auch wir mit großer Sorge", sagt Böblingens Pressesprecher Fabian Strauch. Man wolle in den kommenden Tagen auf die Betroffenen mit Terminvorschlägen zugehen, um einen konstruktiven Dialog zu starten. Oberbürgermeister Stefan Belz will an den Gesprächen teilnehmen.

Die Baustellen seien notwendig, um die Infrastruktur unter der Erde (Gas-, Wasser-, Strom- und Fernwärmeleitungen sowie Abwasserkanäle) zu erneuern. Strauch: "Wir arbeiten hochkonzentriert daran, vor dem Ausbau der A81 alle innerstädtischen Großbaustellen fertigzustellen." Die Stadt hat intensiv die Zeit der Corona-Einschränkungen zu Bauarbeiten an neuralgischen Punkten genutzt. Die Zufahrt Parkstraße geht diesen Freitag wieder auf. Auf der Herrenberger Str. und Calwer Str. sollen die Arbeiten bis nach den Pfingstferien wieder abgeschlossen sein.

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