Besserer Nahverkehr statt Ausbau der Bundesstraße 464

Jusos setzen sich mit Forderung des CDU-Bundestagsabgeordneten Marc Biadacz kritisch auseinander

Artikel vom 17. Mai 2020 - 18:24

KREIS BÖBLINGEN (red). Wie die SPD-Kreistagsfraktion stehen auch die Jusos einem vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 464 zwischen Sindelfingen und Renningen, wie ihn der CDU-Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz möchte, kritisch gegenüber. Sie fordern statt dessen eine Ausweitung des öffentlichen Nahverkehrs und mehr Beteiligung.

"Den Ausbau der B 464 auf vier Spuren voranzutreiben zu wollen, ohne dass auch nur einmal im Kreistag oder auf anderer Ebene darüber diskutiert wurde, zeigt wie rücksichtslos die CDU und Marc Biadacz hier ihre Interessen durchdrücken wollen. Gleichzeitig setzt die CDU-Kreistagsfraktion ihren Rotstift ausschließlich bei diversen Maßnahmen zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs an. Moderne Verkehrspolitik und demokratische Beteiligung auf der Höhe der Zeit sehen anders aus", pflichtet Jan Hambach, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, den Jusos im Kreis Böblingen bei.

Seit Jahrzehnten lasse sich beobachten, dass mehr Spuren und neue Straßen zu mehr Verkehr führten. Menschen würden sich dann doch eher mit dem Auto auf den Weg machen, andere würden die Strecke noch stärker als Ausweichumfahrung nutzen. Ein Ausbau der B 464 habe deshalb nur eine kurzfristige Entlastung zur Folge. Relativ schnell gäbe es aber wieder die gleichen Verkehrsprobleme wie heute.

Es sei deshalb richtig, dass der Landkreis in eine andere Richtung gehe und prüfe, welche neuen Schienenverbindungen gebaut werden könnten. Auch auf die vielen Unfälle auf der B 464 habe der Landkreis schnell reagiert.

Ausbau der B 464 ließe vermutlich Jahrzehnte auf sich warten

Steffi Engmann, Kreisvorsitzende der Jusos, ergänzt: "Neben Mittellinien, die akustische Warnsignale abgeben, wenn sie überfahren werden, könnte es Haltebuchten und Geschwindigkeitskontrollen geben. Hinweisschilder und Temporeduzierungen wurden bereits eingeführt. Diese Maßnahmen müssen erst einmal umgesetzt und deren Wirkung überprüft werden." Eine Diskussion über den Ausbau der B 464, der frühestens in einigen Jahren bis Jahrzehnten käme, helfe keinen einzigen Unfall vermeiden und sei verkehrs- und umweltpolitisch die falsche Maßnahme. "Zudem", so SteffiEngmann weiter, "werden die Mittel durch die Corona-Krise knapper. Wir sollten uns genau überlegen, welche Investitionen für unsere Zukunft wichtig sind. Das geht sicher nicht mit Straßenbau-Ideen, die aus den 70er-Jahren stammen. Das Geld muss in bessere Bus- und Bahntakte, neue Bahnen, andere Mobilitätsformen und auch in weitere wichtigere Bereiche wie unsere Berufsschulen und Krankenhäuser fließen."

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