Aufbruchstimmung des Künstlers spiegelt sich im Ganssee wider

"Kunst@Home": Galerieverein Böblingen präsentiert Böblinger Motiv von Fritz Steisslinger

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    "Kleiner See in Landschaft. Ganssee in Böblingen", Fritz Steisslinger (1925)

Artikel vom 16. Mai 2020

Von Gerda Lehmann

BÖBLINGEN. Fritz Steisslinger war im Jahr 1922 nach Böblingen gezogen, wo er am Tannenberg für sich und seine Familie ein Haus gebaut hatte. Hier fand er, inmitten von Apfelgärten, die ruhige, ländliche Umgebung, die er für seine Arbeit als Maler suchte. Gleichzeitig ermöglichte ihm die Nähe zu Stuttgart den Austausch mit anderen Künstlern im Kreise der "Stuttgarter Sezession". Die ersten Jahre in Böblingen waren daher von einer künstlerischen Aufbruchstimmung geprägt, die sich sowohl in der kreativen Architektur des von ihm selbst entworfenen Hauses zeigte wie auch im kraftvollen, farbenfrohen Malstil seiner Werke.

Für das Bild "Kleiner See in Landschaft. Ganssee in Böblingen" mag er, vom Tannenberg kommend, seine Staffelei kurz vor dem See aufgestellt haben: Im kräftigen Blau des Wassers spiegelt sich die Abendsonne, die Felder und Wiesen sind in ein warmes Licht aus Ocker- und Rottönen getaucht.

Stadtkirche am Bildrand zu erahnen

Dunkle Bäume am Ufer, abstrahierend mit schnellem Pinselstrich gemalt, werfen ihre Schatten in den See. In weiter Ferne, am rechten oberen Bildrand vage zu erkennen, die Stadtkirche St. Dionysius und, zwischen zwei Bäumen, das frühere Rathaus.

Das im 1925 entstandene Werk ist ein expressiv gemaltes Landschaftsbild, das seinen Betrachter in den Bann zieht. Zusammen mit anderen Werken aus den Böblinger Anfangsjahren ist es ein eindrucksvolles Beispiel für diese ausgesprochen produktive Phase im Schaffen Fritz Steisslingers.

"KUNST@home" heißt das gemeinsame Projekt von Böblinger Galerieverein und Kreiszeitung, bei dem regelmäßig ein Bild aus dem Bestand der Städtischen Galerie und der Steisslinger-Sammlung vorgestellt wird. Zu der unter dem Eindruck der strengen Corona-Maßnahmen gestarteten Aktion ist eine ganze Reihe von Beiträgen entstanden, die in den folgenden Wochen noch bis zum Abschluss von "Kunst@Home" hier auf der Kulturseite erscheinen werden.
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