Echte Solidarität mit den Helfern

Das Virus und wir

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Artikel vom 04. Mai 2020 - 17:24

Corona wird unseren Alltag wohl noch für eine ganze Weile bestimmen. Zugleich wird es Zeit, sich Gedanken über die Zeit nach der Ausnahmesituation zu machen.

Das abendliche Beifallklatschen für die Menschen, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Arztpraxen und anderswo ihren Dienst für Alte und Kranke leisten, ist eine wundervolle und warme Geste. Kaufen können sich die Pflegekräfte dafür aber nichts. Und schon jetzt frage ich mich, wie lange es dauern wird, bis unsere Dankbarkeit sich wieder in Gleichgültigkeit verwandeln wird. Was also wollen wir tun, wenn der Corona-Ausnahmezustand irgendwann wieder in den ganz normalen Alltagswahnsinn in Medizin- und Pflegeberufe übergeht? Ein "Weiter so" verbietet sich doch eigentlich, wenn wir daran denken, was wir diesen Menschen verdanken. Wie also könnten wir über symbolisches Beifallklatschen echte Solidarität zeigen?

Vielleicht, indem wir nicht mehr zuschauen, wie unser Gesundheitssystem beständig auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit getrimmt wird. Vielleicht, indem wir aktiv dazu beitragen, dass wieder mehr Raum und Zeit für Menschlichkeit in Pflegeheimen und Krankenhäusern entstehen kann. Vielleicht, indem jeder ein kleines finanzielles Opfer für die bringt, die für uns in diesen Tagen so viel opfern müssen.

Wie genau so ein Opfer aussehen kann, ist eine Frage, die Bürger, Arbeitgeber und Politik gemeinsam klären müssen. Möglicherweise braucht es die Wiedereinführung eines verpflichtenden Zivildienstes, möglicherweise wäre es sinnvoll, Flüchtlinge früher und gezielter in Pflegeberufen einzusetzen. Und möglicherweise bräuchte es auch eine Art "Pflege-Soli", bei dem Arbeitnehmer einen Bruchteil ihres Lohns abgeben. Von dieser Art von Wertschätzung könnten all die Helferinnen und Helfer sich dann nämlich wirklich etwas kaufen. (Text: Eddie Langner, Symbolbild: Thomas Bischof/archiv)

Anmerkung der Redaktion: Dies ist ein Beitrag im Rahmen unserer "Corona-Tagebuch"-Rubrik ("Das Virus und wir"). Die Texte sind per Definition persönlich und geben die subjektiven Ansichten des jeweiligen Autors wieder.

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