Ein Bund Tulpen und die große Freude

Freundschaftsbeweise trotz Kontaktverbots: KRZ-Leserin bekommt Blumen und backt Kuchen

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    Osterzeit ist Tulpenzeit - trotz Corona Foto: red

Artikel vom 06. April 2020 - 18:12

Von Nina Schwartz

BÖBLINGEN. Mitten während dem Homeschooling mit meiner kleinen Tochter (neun Jahre alt) klingelt es an der Haustüre. Ich wundere mich, denn in Corona-Zeiten erwarten wir keinen Besuch. Wer mag da vor der Tür stehen?

Als ich das Fenster öffne, um hinunterzuschauen, steht da eine liebe Freundin. Sie streckt mir einen Bund Tulpen entgegen und sagt mir, dass sie mir einfach eine kleine Freude machen wollte. Sie weiß, dass ich Blumen liebe. Und so gehe ich hinunter, öffne die Tür und nehme - natürlich mit Abstand - die Tulpen entgegen.

Meine Freude ist wirklich groß. Erstens, weil ich es einfach schön finde, dass sie an mich gedacht hat. Zweitens, weil wir uns wenigstens für einen kurzen Augenblick sehen und austauschen können. Sie steht vor der Tür im Garten, ich im Hausflur. In diesen Zeiten ein besonderer Moment. Man schenkt sich Mut und Zuversicht. Dann geht sie wieder nach hause und ich versorge meine Tulpen.

Seit drei Tagen nun erfreue ich mich an ihrer Pracht, bewundere sie, rieche daran. Parallel dazu überlege ich die ganze Zeit, wie ich ihr ebenfalls eine Freude bereiten kann. Eben habe ich Käsekuchen-Teig gemacht. Ich fülle ihn in zwei Formen. Eine für uns, eine für die Familie meiner Freundin. Ich werde ihn, sobald er aus dem Ofen kommt, bei ihrem Haus vor die Tür stellen, kurz klingeln. Freude breitet sich in mir aus. Was wird sie sagen? Es ist so einfach, anderen eine Freude zu machen. Vielleicht sind diese Zeiten auch dazu da?

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