Kultureller Schatz soll erhalten bleiben

Der Böblinger Galerieverein gedenkt Dr. Eberhard Steisslinger

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    Eberhard Steisslinger
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    Kleinod der Kunst: In den Räumen der Böblinger Villa Steisslinger wird das Andenken des Malers bewahrt Foto: Thomas Bischof/Archiv

Am 23. März wäre Dr. Eberhard Steisslinger, der Sohn des Malers Fritz Steisslinger, 100 Jahre alt geworden. "Er hat dem Böblinger und dem regionalen Kulturleben über Jahrzehnte durch die Pflege und Aufarbeitung des Nachlasses seines Vaters wichtige Impulse und Anregungen gegeben", heißt es in einer Gedenkschrift des Böblinger Galerievereins.

Artikel vom 03. April 2020 - 16:48

BÖBLINGEN (red). Eberhard Steisslinger ist mit zwei Brüdern auf dem Tannenberg aufgewachsen - in einem Anwesen, das der Vater 1922 als Gesamtkunstwerk aus Haus, Einrichtung und Garten geplant und erbaut hat. "Die Brüder fallen dem Irrsinn des Zweiten Weltkrieges zum Opfer - Eberhard wird Arzt, wandert nach Brasilien aus, der Heimat seiner Mutter, und eröffnet dort eine Praxis", schaut der Galerieverein in seiner Würdigung zurück. Eberhard Steisslinger gründet eine Familie und hat mit seiner Frau Frederica drei Söhne.

Sein Vater Fritz Steisslinger, der mit seiner Frau in Böblingen lebt, stirbt 1957. Das durch Krieg und Nachkriegszeit gezeichnete Anwesen auf dem Tannenberg und damit der gesamte künstlerische Nachlass sind zunächst verwaist.

Eberhard und Frederica stellen sich der Verantwortung für die Sorge um diesen Nachlass. Die Familie zieht 1961 von Brasilien nach Böblingen und Eberhard übernimmt seine Lebensaufgabe.

Neben seiner Arbeit als geachteter Arzt am Böblinger Krankenhaus verwaltet und fördert er das Werk seines Vaters. Er beginnt, den großen Schatz an Gemälden und Zeichnungen zu ordnen und zu katalogisieren - mit der bis heute unermüdlichen Hilfe seiner Frau. Sein Ziel ist es, den Maler Fritz Steisslinger und sein Werk des expressiven Realismus wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen und dem Werk seine verdiente Anerkennung zu schaffen. "Mit der ihm eigenen Energie, seinem absoluten Engagement und seiner Beharrlichkeit gelingen in den Folgejahren zahlreiche Steisslinger-Ausstellungen in wichtigen Galerien und Museen", würdigt der Galerieverein seinen Einsatz.

Im Jahr 1980 kauft die Stadt Böblingen eine größere Menge Bilder aus dem Nachlass. Dies ist der Grundstock einer Sammlung, die durch das Engagement von Stadt und interessierten Bürgern zur Gründung der Städt. Galerie Böblingen führt.

Bei seinem kulturpolitischen Interesse ist es selbstverständlich, dass Eberhard Steisslinger einer der Gründungsmitglieder des Böblinger Galerievereins ist. Im Jahr 1992 gelingt es dem Verein mit Hilfe der Stadt, eine ständige Ausstellung der Sammlung Steisslinger in der Zehntscheuer - das "Steisslinger-Kabinett" - zu schaffen. Damit ist der Wert des künstlerischen Schaffens des Wahlböblingers Fritz Steisslinger im Bewusstsein der Stadt angekommen.

Nach Eberhard Steisslingers Tod im Jahr 2006 führt seine Frau Frederica den Einsatz für das Werk ihres Schwiegervaters weiter. Das Haus wird zu einem persönlichen Treffpunkt. Die Witwe öffnet das Künstlerhaus, um Besucher aus nah und fern durch das Atelier zu führen und sie mit dem Werk des Malers bekannt zu machen. Aus dem geordneten Nachlass stellt sie regelmäßig Werke für Steisslinger-Ausstellungen großzügig zur Verfügung, so auch der Städtischen Galerie in der Böblinger Zehntschweuer.

"Eberhard Steisslingers großer Verdienst ist, das Erbe seines Vaters, ein Gesamtkunstwerk aus Haus und Sammlung zu bewahren und dessen künstlerische Bedeutung aufzuzeigen", heißt es in der Gedenkschrift des Galerievereins. "Für die Erhaltung dieses Kleinodes, für sein Engagement, für seine Begeisterung verdient Eberhard Steisslinger unseren Respekt."

Es bleibt nun die Frage, wie dieser kulturellen Schatz auch in der Zukunft für die Kultur in Böblingen erhalten und behütet werden könne. "Das muss sicher auch ein Thema für die anstehenden Diskussionen um die Entwicklung der Böblinger Museen sein", fordern die Galerievereinsmitglieder.

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