Kein Patient wird alleine gelassen

Zahnärzte im Kreis Böblingen trotz Corona-Krise erreichbar - Geringes Patientenaufkommen sorgt für reduzierte Behandlungszeiten

  • img
    Die Zahngesundheit ist auch in Zeiten von Corona wichtig Foto: Bischof/Archiv

Artikel vom 03. April 2020 - 16:24

KREIS BÖBLINGEN (red). Nahezu alle Zahnarztpraxen im Landkreis Böblingen sind für die Behandlung von Schmerz- und Notfallpatienten von nicht mit Corona-infizierten oder unter Corona-Verdacht stehenden Patienten erreichbar und kommen dem Sicherstellungsauftrag der zahnärztlichen Versorgung der Bevölkerung nach - so heißt es in einer Pressemitteilung der Kreiszahnärzteschaft Böblingen-Leonberg. Behandlungszeiten werden aufgrund des geringen Patientenaufkommens in den Praxen allerdings häufig eingeschränkt werden müssen.

In den letzten Tagen haben die maßgeblichen standespolitischen Organisationen der Zahnärzte, die Landeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, zusätzlich ein Vertretungssystem für Praxen entwickelt. Dieses betrifft jene Praxiseinrichtungen, die aufgrund behördlicher Anordnung schließen müssen oder denen die für die Behandlung vorgeschriebene Schutzausrüstung ausgegangen ist und nicht mehr auf dem Markt beschafft werden kann. In großer beruflicher Solidarität haben sich hierzu über 500 Praxen landesweit in Baden-Württemberg bereit erklärt, Vertretungen zu übernehmen. Somit müsse kein Patient die Befürchtung haben, im akuten Fall von Schmerzen überall vor geschlossenen Türen zu stehen. Eine flächendeckende Notfallversorgung sei also gewährleistet.

Die weit überwiegende Mehrheit der zahnärztlichen Behandler halten sich an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und ihrer Standesvertretungen, dass ausschließlich nicht verschiebbare Not- und Schmerzbehandlungen stattfinden sollen. Dabei müsse die Entscheidung, welche Behandlung unaufschiebbar und notwendig ist, von jedem Praxisinhaber eigenverantwortlich im individuellen Einzelfall getroffen werden. Ein uneingeschränkter Behandlungsbetrieb ist aber aus epidemiologischen und medizinethischen Gründen nicht vertretbar. So könne einer schnellen Verbreitung der Covid-19-Erkrankung auch im zahnärztlichen Bereich vorgebeugt werden.

Auch Corona-Infizierte erhalten zahnmedizinische Versorgung

Für Corona-Infizierte, unter Quarantäne befindliche und unter Corona-Verdacht stehende zahnärztliche Notfallpatienten werden zurzeit spezialisierte Überweisungs-Zentren eingerichtet, die räumlich und organisatorisch in der Lage sind, eine adäquate zahnärztliche und gleichzeitig auch allgemeinmedizinische Notfallversorgung für diesen eher kleinen Patientenkreis sicherzustellen. Nur diese seien im Besitz der notwendigen und derzeit schwierig zu beschaffenden Schutzausrüstung wie FFP3-Atemmasken oder "Einmalkittel".

Die medizinischen Notwendigkeiten in dieser Krisensituation zwingen die Zahnärzte im Land dazu, einschränkende Maßnahmen zu treffen. Wie in vielen anderen Branchen bedeutet die Schließung und die stark reduzierten Dienste auch für Zahnärzte starke Umsatz- und Einkommensverluste - bis hin zur einer Gefährdung der Arbeitsplätze von Mitarbeitern und der ihnen zuarbeitenden zahntechnischen Handwerksbetriebe.

Klaus Lux, Vorstand der Kreiszahnärzteschaft Böblingen-Leonberg, dankt dabei allen Mitarbeitern, die mit ihrem Einsatz in der Notfallbehandlung und den damit verbundenen gesundheitlichen Risiken den Patienten und Praxen zur Verfügung stehen.

Verwandte Artikel