Tödliches Virus in den Townships

Exil-Böblinger Hans-Adolf Bode berichtet über die verheerenden Zustände in Südafrika

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    Aufnahme von Januar 2020: Das Jabulani-Selbsthilfezentrum, in dem zahlreiche Kinder versorgt werden, unterstützen die Bodes seit vielen Jahren Foto: privat

Artikel vom 02. April 2020 - 17:24

BÖBLINGEN/DURBAN. Am 6. März wurden in Südafrika die allerersten Corona-Fälle registriert. Am 11. März waren es dann offiziell 13 Fälle. Von da an war man bereits beunruhigt. Die ersten Restriktionen wurden am 16. März eingeleitet. Die Sorge war berechtigt, denn bereits am 20. März waren es schon über 200 Infizierte. Ein Woche später wurden bereits über 1000 Infizierte gemeldet und auch schon zwei Tote.

In den Townships leben oft viele Tausend Menschen auf engstem Raum zusammen, Toiletten müssen sie sich teilen, in vielen dieser Wohngebiete gibt es kein fließendes Wasser. Um zur Arbeit zu kommen, findet der Transport in Sammeltaxis statt. Das sind Kleinbusse, zugelassen für zwölf Personen, aber oft drängen sich zwischen 15 und 20 Personen rein. Wie soll man sich da schützen?

Selbst Gassigehen mit dem Hund ist verboten

Die medizinische Versorgung hat zwei grundverschiedene Seiten. Auf der einen Seite die privaten Ärzte und Kliniken - sehr gut ausgestattet. Auf der anderen Seite die staatlichen Stellen: Hier sind die Krankenhäuser schon jetzt restlos überfüllt und meist sehr schlecht ausgestattet. Jetzt musste gehandelt werden. Seit 27. März ist eine totale Ausgangssperre verhängt worden. Niemand darf das Haus verlassen. Einkaufen ist nur in den Supermärkten der allernächsten Nähe erlaubt. Es darf immer nur eine Person je Haushalt zum Einkaufen hinfahren. Alle Restaurants und Take-Away-Lokale sind geschlossen, ebenso Fitnessstudios, Friseure und so weiter. Auch wurden alle Veranstaltungen untersagt. Alle Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Keine Kirche darf öffnen. Selbst Joggen und mit dem Hund Gassi gehen ist verboten. Das Jabulani Selbsthilfe-Zentrum, in dem wir sehr oft helfen, ist seit Montag geschlossen.

Viele der schwarzen Bevölkerung haben eine Vorerkrankung, ob AIDS oder Tuberkulose, man spricht da von um die 45 Prozent. Im Allgemeinen werden die Vorschriftsmaßnahmen durchaus eingehalten, aber in den einfachen Wohngebieten ist das kaum möglich.