Urteil: Mehrjährige Haftstrafen für Drogenhändler aus Herrenberg und Gäufelden

Die zwei Männer sind vor Gericht geständig

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    Die Geschäfte der Dealer flogen letzten Oktober durch einen verdeckten Ermittler auf Foto: red

Artikel vom 02. April 2020 - 19:00

Von Bernd Winckler

HERRENBERG/GÄUFELDEN. Das Landgericht Stuttgart hat nach fast vierwöchiger Verhandlung einen 40- und einen 51-jährigen Mann aus Gäufelden und Herrenberg wegen Handeltreiben mit Rauschgift im Kilobereich zu Haftstrafen von dreidreiviertel sowie vier Jahren und zwei Monaten verurteilt. Den Urteilen vorausgegangen waren umfangreiche Geständnisse.

Seit dem 9. März sitzen die beiden Männer auf der Anklagebank der 19. Großen Strafkammer. In 41 Fällen hatte ihnen der Staatsanwalt Drogenverkäufe, vornehmlich Kokain, mit hohen Gewinnen vorgeworfen. Am gestrigen letzten Tag der Beweisaufnahme kamen dann die Geständnisse, nachdem durch Zeugenvernehmungen und dem Ergebnis der polizeilichen Ermittlungen ein Bestreiten nicht mehr sinnvoll war. Allein durch diese Geständnisse hatten sich die beiden Männer auch einen erklecklichen Strafrabatt bei den Richtern erworben.

Verschachertes Kokain hat hohen Reinheitswert

Das Gericht stellt nunmehr im Urteil fest, dass das Duo ab Mitte des Jahres 2018 zunächst auf einem Supermarkt-Parkplatz und in einem Hotel in Gäufelden-Nebringen, später auch in verschiedenen Lokalitäten in Herrenberg sowie in Ebhausen, Eutingen und Altensteig recht umfangreich mit der Droge Kokain Handel getrieben hatten. Übrig geblieben waren von den einst angeklagten 41 Einzelfällen noch 27, nachdem die Richter einen Teil der Vorwürfe eingestellt hatten. Dabei zeichnete sich allerdings das Kokain dadurch aus, dass es einen sehr hohen Reinheitswert (nahezu 90 Prozent) hatte - und man gestreckt daraus zig-tausende Konsumeinheiten herstellen konnte. Pro Einheit zahlten die Konsumenten bis zu 60 Euro. Den gesamten Verkaufserlös errechnete das Gericht mit knapp 40 000 Euro. Das Geld müssen die Angeklagten an die Staatskasse zurückzahlen.

Aufgeflogen sind die Geschäfte der Beiden schließlich Anfang Oktober letzten Jahres, nachdem sich ein verdeckter Ermittler des Stuttgarter Landeskriminalamts als Konsument ausgab und mit den Angeklagten über größere Rauschgiftmengen verhandelte. Erst als es zu einem Geschäft mit 30 Gramm der Droge kam, klickten dann am 15. Oktober die Handschellen. Zuvor jedoch hatte der Ältere der beiden eine polizeiliche Observation bemerkt und konnte rechtzeitig mit rund 300 Gramm der Droge mit seinem Fahrzeug über einen Feldweg von Gäufelden in Richtung Sindlingen flüchten. Bei der Verfolgungsfahrt warf er das Kokainpäckchen aus dem Fenster. Die Polizei musste aufgeben. Das Kokainpäckchen fand der Angeklagte am nächsten Tag wieder - und konnte die Drogen sogar noch verkaufen, ehe die endgültige Festnahme erfolgte.

Gut 200 Gramm des hochwertigen Kokains konnte die Polizei bei der Durchsuchung der Gäufeldener Wohnung des Angeklagten sicherstellen. Dazu noch fünf Mobiltelefone und zahlreiche Drogenzubehörteile. Neben den jetzt verhängten Strafen, die knapp unter der Fünf-Jahres-Marke liegen, ordnete das Gericht noch für jeden der beiden eine Zwangstherapie gegen deren Drogensucht an.

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