Corona-Tagebuch: Ein Licht in dunklen Zeiten

Das Virus und wir

  • img
    Eine Kerze im Fenster könnte eine Geste sein für die Verstorbenen, denen bei Beerdigungen derzeit nur sehr eingeschränkt gedacht werden darf. Foto: Rebecca- Peterson-Hall/Unsplash

Artikel vom 31. März 2020

Das Coronavirus bestimmt unseren Alltag. Die vielen kleinen Geschichten rund um unser Leben mit dem Virus fasst die Redaktion der Kreiszeitung in dieser täglichen Rubrik zusammen.

Dienstag, 31 .März

Einsamer Abschied: "Aufgrund der aktuellen Situation findet die Trauerfeier im engsten Familienkreis statt". So oder so ähnlich steht es in diesen Tagen in jeder Traueranzeige, die in der Kreiszeitung veröffentlicht wird. Der Verlust eines geliebten Menschen wird durch Corona noch schmerzlicher. "Leider können wir ihn auf seinem letzten Weg nicht begleiten", stand zuletzt in einer Traueranzeige, die Mitglieder der Feuerwehr-Musikkapelle Dagersheim für ein verstorbenes Ehrenmitglied aufgegeben haben.

Trauernde werden derzeit um eine ganz wichtige Erfahrung beraubt: Es geht um die Gemeinschaft, um das Gefühl, mit dem eigenen Schmerz nicht alleine zu sein, es geht um die tröstende Erkenntnis, dass der oder die Verstorbene von vielen weiteren Menschen geschätzt und geliebt wurde.

Vor anderthalb Jahren ist mein Vater gestorben, der Tod meiner Mutter liegt schon bald 18 Jahre zurück. Die große Anteilnahme bei beiden Beerdigungen hat mich tief bewegt und beeindruckt. Zu sehen, wie viele Menschen damals meiner Mutter und später auch meinem Vater ihren Respekt erweisen, ihre Freundschaft, Wertschätzung und Liebe zum Ausdruck bringen wollten, hat mir und meiner Familie viel Kraft gegeben.

Das Virus nimmt uns jetzt all dies weg. Was können wir tun? Vielleicht braucht es ein Zeichen, eine Geste - so wie das Beifallklatschen von Balkonen für Mediziner, Pflege- und Supermarktpersonal sowie all die anderen Helfer in der Corona-Krise.

Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen. Bei uns war es Brauch, für die Verstorbenen ein Licht anzuzünden. Wie wäre es, wenn wir genau dies tun und jeden Abend eine Kerze ins Fenster stellen?

Zünden wir ein Licht an für die geliebten Menschen, die wir verloren haben. Zünden wir ein Licht an für alle, die jetzt mit ihrer Trauer alleine sind. Zünden wir ein Licht an, um uns daran zu erinnern, dass wir trotz Abstand ganz eng zusammen stehen im Kampf gegen dieses Virus. (Text: edi, Foto: Rebecca Peterson-Hall/Unsplash)

Verwandte Artikel