Mulmiges Gefühl in Bus und Bahn

Das Virus und wir

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    Zu wenig Abstand im ÖPNV Foto: Archiv

Artikel vom 23. März 2020

Das Coronavirus bestimmt unseren Alltag. Die vielen kleinen Geschichten rund um unser Leben mit dem Virus fasst die Redaktion der Kreiszeitung künftig in dieser täglichen Rubrik zusammen.

23. März: Über zu viel Nähe im Personennahverkehr

Bahnfahrten: Wenn ich abends mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Heimweg bin, habe ich jedes Mal ein äußerst mulmiges Gefühl. Ich setze durchaus großes Vertrauen in meine Mitmenschen, dass wir die Corona-Krise gemeinsam überwinden können, wenn wir uns alle an die Empfehlungen der Regierung halten. Jedoch verliere ich dieses Vertrauen regelmäßig bei meinen Heimfahrten. Ich will erklären, wieso: Während ich darauf achte, Abstand von meinen Mitmenschen zu halten, stehen die Leute am Bahnsteig in größeren Gruppen zusammen, umarmen oder klatschen sich ab zur Verabschiedung - vermeidbar zu Zeiten von Corona. Nach der Einfahrt eines Zuges stürmt ein großer Mob die Treppen hinunter in die Unterführung. Von Abstandhalten ist auch hier nichts zu sehen. Vor einigen Tagen bin ich dann in die unangenehme Situation gekommen, dass mir der eilende Mob entgegenkam, als ich die Treppe hoch wollte. Ehrlich gesagt, habe ich mir überlegt, ob ich umdrehen soll bei all den drängenden und hustenden Menschen. Doch der Mob hat mich bereits gefangen genommen. Die Flucht nach vorne ist die einzige Lösung. Ich frage mich: Haben wir den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen? Mein Glück: Ab Dienstag muss ich nicht mehr mit der Bahn fahren. Damit hat sich zumindest diese Sorgen erledigt. (kie)

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