Corona-Tagebuch: Von großen Gruppen und einsamen Sängern

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    Symbolbild: Archiv

Artikel vom 21. März 2020 - 07:51

Das Coronavirus bestimmt unseren Alltag. Die vielen kleinen Geschichten rund um unser Leben mit dem Virus fasst die Redaktion der Kreiszeitung künftig in dieser täglichen Rubrik zusammen.

Eintrag von Samstag, 21. März

Uneinsichtig: Donnerstagabend, 19 Uhr. Kleiner Spaziergang an der frischen Luft, natürlich ohne soziale Kontakte. Es ist schon ein beklemmendes Gefühl, jedes Mal die Gehwegseite zu wechseln, wenn einem in der Ferne jemand entgegenkommt. Doch die geforderte Vernunft lassen nicht alle walten. Plötzlich tauchen sie auf und biegen ums Eck. Einer, zwei drei - tatsächlich sind es elf kurz behoste Jugendliche, natürlich im Pulk. Eine komplette Fussballmannschaft. Ihr Ziel: der Kunstrasen im Böblinger Bussardweg. Corona-Party auf dem Bolzplatz. Der strafende Blick wird ignoriert, die Ansteckungsgefahr bei den Jungen ist ja sowieso nicht so groß, die Solidarität unter den Generationen scheint es auch nicht zu sein. Auf einen Disput auf offener Straße verzichte ich lieber, halte lieber die Abstandsregel ein. Vielleicht hilft bei diesen Unverbesserlichen tatsächlich nur die Ausgangssperre. Dass es auch anders geht, beweist die lange Schlange an der Supermarktkasse. Die zwei Meter werden von fast allen eingehalten, oft hilft auch der Einkaufswagen als Prellbock. Wenn jetzt nur noch alles in den Regalen gewesen wäre, was auf dem Einkaufszettel stand. (ms)

Rabiate Nachbarn: Die Bilder aus Italien gingen um die Welt: Menschen stehen auf ihren Balkonen und singen räumlich getrennt und doch gemeinsam gegen die Corona-Isolation an. Im Kreis Böblingen scheint das nicht so harmonisch zu funktionieren, wie eine Bäckerei-Verkäuferin in meiner Mittagspause erzählt. Einer ihrer Nachbarn habe etwas Ähnliches in ihrem Wohnblock versucht. „Und er hat richtig schön gesungen“, versichert die Dame. Mitgezwitschert habe aber niemand. Stattdessen sei aus dem Stockwerk darunter ein schroffes „Halt die Schnauze“ nach oben geschallt. Irgendwie fast schon typisch deutsch. (atz)

 

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