Corona wird zum Hochzeits-Crasher

Das Virus und wir

Artikel vom 20. März 2020

Das Coronavirus bestimmt unseren Alltag. Die vielen kleinen Geschichten rund um unser Leben mit dem Virus fasst die Redaktion der Kreiszeitung künftig in dieser täglichen Rubrik zusammen.

20. März: Wie "Social Distancing" sich auf unseren Alltag auswirkt

Auf Abstand: Es mag ja Menschen geben, die die Aussicht auf eine längere Zeit der Abgeschiedenheit begrüßen. Zu dieser Art Mensch zähle ich ganz bestimmt nicht. Ich war noch nie ein Eigenbrötler, geschweige denn ein Sozialphobiker. Im Gegenteil: Ich genieße es, unter Leuten zu sein, mit Freunden und Bekannten etwas zu unternehmen, an dem lauten, bunten Leben da draußen teilzuhaben. In der momentanen Lage ist aber leider ein anderes Verhalten gefragt.

Das macht sich schmerzlich bemerkbar. Am Wochenende wollten wir uns mit Freunden treffen. Insgesamt vier Familien, alle mit kleinen Kindern. Ein Elternpaar war im Urlaub in Tirol. Die Gastgeberin hat die Feier jetzt aus Vorsichtsgründen abgesagt. Noch vor einer Woche hätten wir darüber wohl den Kopf geschüttelt. Heute nimmt man es schulterzuckend zur Kenntnis. Ist halt so, muss eben sein, kann man nichts machen.

Viel schlimmer als so ein abgesagter Familiennachmittag ist, dass jetzt womöglich die seit einem Jahr geplante Hochzeit eines guten Freundes dem Coronavirus zum Opfer fällt. "Wir sind seit Tagen im Dialog mit Behörden, Veranstaltern und so weiter", berichtet mein Kumpel. Der Tag der Tage für das verliebte Paar war für Ende April geplant. Die Feier werden die beiden wohl verschieben müssen. "Wir hoffen jetzt erst mal, dass wir wenigstens das Standesamt erlaubt bekommen", teilt der Freund mit. Ich drücke ihm ganz fest die Daumen. (edi)

 

Tote Hose auf dem Spielplatz: Das "Social Distancing" nimmt mancherorts fast schon absurde Züge an. Bei meiner nachmittäglichen Fahrt von Aidlingen nach Grafenau komme ich an einem komplett leeren Spielplatz vorbei. Und das bei bestem Frühlingswetter. In Großstädten, wo die Kiddies an der Rutsche Schlange stehen, mag man die strengen Maßgaben ja verstehen. Nachvollziehbar ist das auch in Böblingen, wo die Stadt jetzt unter anderem die Spielplätze am Oberen See mit Absperrbändern zur Tabuzone erklärt hat. Aber wie ist das auf den Dörfern, wo sich selten mehr als eine Handvoll Kinder auf den Spielplätzen tummelt? Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand ließe sich das doch sicher auch anders regeln, oder? Andererseits ist das mit dem gesunden Menschenverstand vermutlich so eine Sache - ich sage nur Klopapier und Corona-Partys . . . (edi)

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