Corona-Gefahr: Prozess vertagt

Verhandlung wegen sexuellen Missbrauchs verschoben

Artikel vom 17. März 2020 - 18:00

KREIS BÖBLINGEN (dud). Eigentlich hätte am ersten Verhandlungstag die Anhörung der Geschädigten stattfinden sollen. Nun hat die Gefahr des Coronavirus indirekt auch das Justizsystem erreicht. Statt Anklageverlesung und Zeugenanhörung wurde der Prozess wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs am Amtsgericht Böblingen gestern verschoben.

Nachdem die Hauptverhandlung mit Verspätung am Dienstagvormittag begann, überraschte Verteidiger Florian Zenger mit einem Antrag auf Aussetzung. Er begründete diesen mit der aktuellen Corona-Krise. Sollten Prozessbeteiligte erkranken oder in häusliche Isolation gehen müssen, würde sich der Prozess weiter verschieben. Um die Entwicklungen rund um das Virus in den kommenden Wochen zu beobachten, sollte der erste Verhandlungstag nach der Meinung des Verteidiger verlegt werden.

Die Vorwürfe gegen den seit Donnerstag sich wieder in Haft befindenden Unternehmer aus Gäufelden seien so schwerwiegend, dass sie mit dem "Druckfaktor" Corona nicht angemessen verhandelt werden könnten, so Verteidiger Zenger. Nach einer 45-minütigen Unterbrechung entschlossen sich Richter Ralf Rose und seine Schöffen tatsächlich, die Hauptverhandlung um mehr als zwei Monate nach hinten zu verlegen.

Dem Angeklagten wird mehrfacher schwerer sexueller Missbrauch an einer Minderjährigen vorgeworfen. Das ihm bekannte Mädchen war zum Beginn des Missbrauchs im Jahr 2015 13 Jahre alt. Ab dem 15. Lebensjahr sollen die sexuellen Handlungen an ihr unvermindert weitergegangen sein. Die Hauptverhandlung wird planmäßig am 26. Mai am Böblinger Amtsgericht fortgesetzt.