Nufringen zieht Leistungsschau OpenHouse trotz Corona durch

Bei der Nufringer Leistungsschau OpenHouse bleiben aufgrund von Corona viele Ladentüren zu. Das Publikum strömt dafür in die geöffneten.

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    Bürgermeister Ingolf Welte (mit Krawatte) vor dem Geschäft von Karl-Heinz Beßler, wo es die neuesten Grills zu bestaunen gab Fotos: Gaetano Di Rosa

Der Nufringer Gewerbe- und Handelsverein rang mit sich, ob er das verkaufsoffene Wochenende "Open House Nufringen" trotz Corona-Pandemie durchführen sollte. Am Ende entschied man sich für einen Kompromiss: manche Läden öffneten, viele andere nicht.

Artikel vom 15. März 2020 - 20:32

Von Käthe Ruess

NUFRINGEN. Absagen oder weitermachen, wie geplant? Die Nufringer Gewerbetreibenden haben sich angesichts der Corona-Pandemie bei ihrer zweitägigen Leistungsschau OpenHouse am Wochenende für einen Mittelweg entschieden. Normaler Geschäftsbetrieb - bei den Firmen, die wollten -, aber keine flankierenden Aktionen wie die Tombola oder das Kinder-Programm mit Hüpfburg und Kettcars auf dem Marktplatz, lautete der "gute Kompromiss", wie Wilhelm Kohlberger, der zweite Vorsitzende des örtlichen Gewerbe- und Handelsverein (GHV) befand.

Der zentrale Markplatz, auf dem bei den vorangegangenen Auflagen von Open House, das Leben pulsierte, war am Samstag kurz vor 13 Uhr fast menschenleer. Nur eine kleine Gruppe von rund zehn Personen - GHV-Funktionsträger, Bernd Lang (Freie Liste) als Vertreter des Gemeinderats, Pressevertreter und eine Handvoll Nufringer - hatte sich vor dem Rathauseingang um Bürgermeister Ingolf Welte versammelt, um ihn beim traditionellen Eröffnungsrundgang zu den Geschäften in der Ortsmitte und im Gewerbegebiet Gründen zu begleiten.

Das alles beherrschende Thema war die sich schnell ändernde Situation aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus: Die Gemeindeverwaltung habe dem GHV mehrfach empfohlen, die Veranstaltung abzusagen, berichtete der Rathauschef - "und viele sind dieser Empfehlung gefolgt". Dabei sei das Einvernehmen zwischen Verwaltung und Betrieben gut gewesen, so Welte weiter. Diese hätten letztendlich - jeder für sich - eigenständige Entscheidungen getroffen.

Denn die komplette Absage zu erzwingen, wäre rechtlich nicht möglich gewesen, sagt Welte. Denn schließlich wäre es um die Schließung von Ladengeschäften gegangen. Genau dieser Fakt, dass die Geschäfte und Betriebe über das Ortsgebiet verteilt sind und durch ihre Größe keine großen Menschenansammlungen zulasse, habe bei der Abwägung auch eine wichtige Rolle gespielt.

Anders hätte es bei einer "klassischen Veranstaltung an einem Ort" ausgesehen, sagt der Nufringer Bürgermeister. Letztendlich habe auch das Gesundheitsamt Böblingen, das von der Gemeindeverwaltung mehrfach angeschrieben worden sei, keine schriftliche Maßnahme zur Absage der Veranstaltung angeordnet, sondern lediglich Hinweise zu Hygienemaßnahmen übersandt.

Auch für die Mitglieder des GHV sei die dynamische Entwicklung herausfordernd gewesen, berichteten Jochen Raible und Wilhelm Kohlberger - schließlich gehe es bei vielen auch um existenzielle Fragen. Am Mittwoch gab es eine Sondersitzung, bei der die Pro- und Kontra-Argumente auf Basis des damaligen Kenntnisstandes abgewogen worden seien, so Kohlberger. Zu diesem Zeitpunkt habe noch die Obergrenze von 1000 Teilnehmern für öffentliche Veranstaltungen in geschlossenen Räumen gegolten, sagt er.

Als am Freitagnachmittag die Landesregierung ihren verschärften Maßnahmenkatalog veröffentlicht habe, habe sich die Lage zugespitzt und viele der eigentlich 31 teilnehmenden Betriebe abgesagt. Die endgültige Entscheidung, nicht komplett abzusagen, sondern diese jedem selbst zu überlassen, habe der GHV dann am Samstagvormittag gegen 10 Uhr getroffen, berichtete Raible.

Wer geöffnet hatte, wurde belohnt

Horst Brodbeck und seine Frau Karin Greiner-Brodbeck gehörten zu denjenigen, die sich entschlossen hatten, die Türen der Zimmerei und der Schlafwelt zu öffnen - ein an der Eingangstüre aufgestellten Desinfektionsmittelspender, der schriftliche Hinweis, aufs Händeschütteln zu verzichten und die geforderte Adressliste, in die sich Besucher eintragen sollte, machten die besondere Situation offensichtlich. "Es war eine schwere Entscheidung", berichtete Horst Brodbeck, "aber wir sind froh, dass wir's gemacht haben". Er habe aber Verständnis für alle, die sich anders entschieden haben.

Auch Martin Binder, dessen Autohaus zudem 30. Geburtstag feierte, war besonders über den guten Besuch am Samstag überrascht. "Heute ist es sehr verhalten", berichtete er dagegen bei Halbzeit am Sonntag.

Genau die gegenteilige Beobachtung hat Johanna Mack-Stickel, die ihrem "Dorfladen" unter anderem Landhaus- und Folklorekleidung führt, gemacht: Während am Samstag weniger los gewesen sei als in den Vorjahren, "ist es heute frequentierter als sonst".

Bei Karl-Heinz Beßler drehte sich im und vor seinem Geschäft alles um die neueste Grill-Generation: "Wir haben nicht den Zulauf wie sonst, aber es kommen Leute aus der ganzen Region", berichtete er. "Meine Entscheidung für mein Haus ist richtig", zeigte er sich überzeugt. Die gegenteilige Entscheidung hatte dagegen Christine Kaupp "aufgrund der zugespitzten Situation" am Freitagnachmittag für ihr Hausratfachgeschäft getroffen: Sie hatte am Samstag zu den normalen Öffnungszeiten geöffnet, am Sonntag aber geschlossen. "Es ist kein OpenHouse wie sonst", brachte sie die außergewöhnlichen Umstände zusammen.

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