In die deutsche Geschichte eintauchen

30 Jahre Wiedervereinigung: In der Stadtbibliothek Böblingen ist noch bis zum 21. März eine erweiterte Wanderausstellung zu sehen

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    Die Stadtbibliothek hat einen Büchertisch zum Thema zusammengetragen Fotos: Stefanie Schlecht

Der Geruch der Bücher, allerlei Sitzgelegenheiten, die gemütliche Atmosphäre - an einem Ort wie der Böblinger Stadtbibliothek fühlt man sich schnell wie zuhause. Und das passt ein Stück weit zur aktuellen Ausstellung vor Ort.

Artikel vom 11. März 2020 - 17:42

Von Victoria Walter

BÖBLINGEN. Denn es geht um die DDR und wie sich damals viele Ostdeutsche nicht recht zuhause gefühlt haben. Obwohl sie dort eigentlich genau das waren - zuhause.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer haben die Ausstellung in die Wege geleitet. Die Präsentation besteht aus 20 Tafeln, die von Scheinstabilität über Solidarität bis hin zur Wiedervereinigung erzählen. Aber der Höhepunkt der Ausstellung ist wohl der von den Auszubildenden der Bibliothek selbst zusammengestellte Thementisch. Auf ihm thront eine stilisierte Mauer aus Wellpappe, die genau so wie das echte Vorbild einige Graffiti auf sich trägt. Sie ist umringt von Backsteinen und weiteren Requisiten, die den Betrachter zurück in die Zeit der Teilung versetzen sollen.

Mit Erfolg: Insbesondere die dicke Mappe, die unzählige gebundene Ausgaben der Spiegel-Zeitschrift enthält, zieht die Besucher in ihren Bann. "Online gibt es zwar alle Artikel zu lesen, aber es ist doch was anderes, wenn man die Werbung und die damaligen Anzeigen dazu sehen kann", weiß Bibliotheksleiter Kai Feichter. Selbstverständlich werden verschiedene Lektüren zum DDR-Thema aufgetischt - und diese werden auch fleißig ausgeliehen. "Spätestens an dem Tisch bleibt jeder stehen und wird auf die Ausstellung aufmerksam", meint Stephanie Zeiner stolz, "wir müssen oft andere Bücher nachlegen."

Die stellvertretende Bibliotheksleiterin freut sich über die rege Teilnahme der Besucher an der Ausstellung. Sie hat die Wende am Fernseher miterlebt und erinnert sich noch an den Tag des Mauerfalls, und wie sie damals geweint hat. "Es ist einfach wichtig, Geschichte hautnah zu visualisieren und zu präsentieren", findet Zeiner, "vor allem jüngere Geschichte, zu der es noch Zeitzeugen gibt."

Dazu plant die Stadtbibliothek auch bereits einen weiteren Coup. Sie will Menschen, die die Zeit persönlich miterlebt haben, an einen runden Tisch setzen und miteinander über Erlebtes sprechen lassen. "Wann und wie das passiert, ist aber noch nicht klar", sagt Zeiner. Die Stadtbibliothek als Ort der Begegnung scheint hier der passende Platz zu sein.

Folgeausstellung "Umbruch Ost - Lebenswelten im Wandel" geplant

Und die Präsentation macht Lust auf mehr. Nicht nur bei den Besuchern. "Wir werden auf jeden Fall eine Folgeausstellung haben", weiß die stellvertretende Bibliotheksleiterin. Diese wird unter dem Motto "Umbruch Ost - Lebenswelten im Wandel" laufen und von dem Alltag der Deutschen nach dem Mauerfall 1990 handeln. Sie wird direkt im Anschluss an die jetzige Ausstellung in der Stadtbibliothek gezeigt. Wobei Expositionen im Regelfall nicht länger als zwei Wochen in der Bücherei gezeigt werden. "Normalerweise haben wir ständig wechselnde Ausstellungen - von einer Woche bis hin zu 14 Tagen. Aber bei dieser haben wir uns gedacht, wir lassen sie länger stehen", gibt Zeiner zu. Und so waren die Tafeln über die deutsche Geschichte insgesamt fast zwei Monate zu besichtigen.

Dabei kann sich die Böblinger Stadtbibliothek nicht über zu niedrige Zahlen beklagen. Im Gegenteil: Über 163 000 Lesewitzige statteten der Bücherei letztes Jahr einen Besuch ab - es wurden mehr als 388 000 Ausleihungen gezählt. Wobei hier neben Büchern auch andere Medien wie Hörbücher, CDs und digitale Medien wie beispielsweise eBooks verliehen werden. Und die Bücherei tut viel dafür, damit sie in aller Munde bleibt. Allein in diesem Jahr waren die Räume der Bibliothek schon Austragungsort für 26 Veranstaltungen, mit über 550 Besuchern. Und am Ende jeden Jahres kommt sie zu einer Bilanz von über 400 Veranstaltungen - das sind statistisch mehr als eine pro Tag.

Die Ausstellung "Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit" ist bis zum 21. März in der Stadtbibliothek "Im Höfle" in Böblingen zu besichtigen. Die Öffnungszeiten gibt es online unter http://www.boeblingen.de/Stadtbibliothek
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