In vielen Genres zuhause

Sängerin Anja Binder stellt im Blauen Haus erstmals ihre neue Band vor

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    Ein Duett als Zugabe: Anja Binder mit Gastsänger Nasim Foto: svo

Artikel vom 30. Januar 2020 - 17:48

Von Steffen Volkmer

BÖBLINGEN. Am vergangenen Freitag gastierte zu leicht vorgerückter Abendstunde Anja Binder mit ihrer neuen Formation mit dem außergewöhnlichen Namen mycOoperstApe im Kulturnetzwerk Blaues Haus auf dem Schönbuch-Bräu-Gelände. Sie bezauberte das Publikum mit ihrer Musik.

Die aus Holzgerlingen stammende, inzwischen in Stuttgart lebende Musikerin ist im Blauen Haus keine Unbekannte. Bereits mit ihrer Band Anjabelle hatte sie hier schon umjubelte Auftritte. Mit mycOoperstApe war es allerdings der erste Gig in der Böblinger Kultlocation - und der erste offizielle Auftritt überhaupt.

"Wir sind schon zwei, drei Mal inoffiziell in kleinem Kreis aufgetreten, sozusagen die Generalproben, aber das hier ist unsere offizielle Premiere als Band", erzählt Anja Binder geschafft aber glücklich, nach dem Konzert. Sie habe nur gute Erinnerungen an das Blaue Haus und das begeisterte Publikum, weswegen sie sehr froh war, hier ihren Einstand mit der neuen Formation geben zu können. Zwar war der Freitagabend nicht komplett ausverkauft, aber der Saal war doch sehr gut gefüllt und es herrschte beste Stimmung.

Vor Binders Auftritt hatte als "Support-Act" bereits der Stuttgarter Singer-Songwriter Nasim das Publikum auf Betriebstemperatur gebracht. Mit wundervollen Texten und viel Wortwitz begeisterte er seine Zuhörer, weswegen er zum Ende des Abends noch einmal auf die Bühne durfte, um unter viel Applaus mit Anja Binder im Duett die Zugabe zu singen.

Anja Binder selbst ist ein großer Fan des Stuttgarter Song-Poeten Nasim. "Er ist einfach großartig", schwärmt sie und er sei eine Inspiration für sie: "Ich war bei einem Auftritt von ihm, da kannte ich ihn noch gar nicht, und seine Musik, vor allem aber seine Texte haben mich begeistert." Dieses Konzerterlebnis habe sie letztlich motiviert, nach langer Zeit wieder Lieder auf Deutsch zu schreiben und zu singen. Und das prägt nun den Sound ihrer neuen Band.

Musikalisch ist diese so schwer einzuordnen, wie der Bandname: Stilistisch wird da in allen Genres gewildert. Meist sind die Songs etwas melancholisch, von Gitarren getragen, dann aber auch wieder kräftig, frech, fast punkig. Pop, Rock, Western, Weltmusik - die Band deckt ein breites Spektrum ab. Alles orientiert sich aber an Anja Binders großartiger Gesangsstimme und das unabhängig davon, ob sie in Deutsch, Englisch, Französisch oder in anderen Sprachen singt. Auch hier ist mycOoperstApe nicht festgelegt, wenngleich die meisten Lieder nun doch in deutscher Sprache sind, mit tiefgründigen aber auch ironischen Texten.

Viele der Lieder sind neu, wie der Song "Elvis", der ursprünglich "Poison" und dann "Gift" hieß, wie die Sängerin mit einer fast schüchternen Moderation erklärt, es sind aber aus Anjabelle-Kompositionen dabei.

Über das Ende von Anjabelle gibt es nicht viel zu erzählen, sagt die Frontfrau: "Manchmal passt es eben einfach nicht mehr." Das Kapitel sei für sie abgehakt und derzeit erfreue sie sich an der kreativen Energie der neuen Formation.

Der Bandname ist eine Reminiszenz an den Opa

Und warum hat die neue Band einen derart komplizierten Namen? "Es ist eine Reminiszenz an meinen Opa. Der war Küfer, wovon sich auch unser Familienname Binder herleitet, und Cooper ist der englische Begriff dafür." Ihr Großvater, so erzählt sie weiter, habe - ohne dass er selbst großen Zugang dazu hatte - von Beginn an ihr musikalisches Talent gefördert. Die Wortkreation aus "my coopers tape" als Name für ihre neue Band sei ihr Dank an ihn - und kompliziert macht ihn (fast) nur die leicht verkünstelte Schreibweise.

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