Böblinger Tafel: Stabwechsel am 15. Geburtstag

15 Jahre Tafelladen Böblingen: Ehrenamtliche haben Erfolgsgeschichte gefeiert - Petra Ländner seit Januar neue Leiterin

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    Petra Ländner (links) hat die Leitung des Tafelladens von Mary Kraus übernommen - Dekan Bernd Liebendörfer dankt und wünscht viel Glück

Seit 2005 gibt es den Tafelladen in Böblingen, zunächst in der Unteren Gasse, seit dem Jahr 2014 in der Festen Burg. Jetzt hat die Institution ihren 15. Geburtstag gefeiert, zudem gibt es eine neue Leiterin: Petra Ländner.

Artikel vom 27. Januar 2020 - 19:04

Von Jutta Rebmann

BÖBLINGEN. Rund zwei Drittel der 60 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Böblinger Tafelladens waren zum "Dankeschön-Essen" gekommen, zu dem Dekan Bernd Liebendörfer im Auftrag der evangelischen Gesamtkirchengemeinde eingeladen hatte. Nachdem Petra Ländner, seit Januar neue Leiterin des Tafelladens die Anwesenden begrüßt hatte, übernahm der Dekan das Wort.

Es sei, so führte er aus, in diesem Jahr ein dreifaches Fest. Das Dankeschön-Essen gebe es jedes Jahr, aber diesmal könne man dazu noch den 15. Geburtstag des Ladens feiern. Das sei zwar nur ein halbrunder Geburtstag, aber ein Meilenstein. Und dazu hin noch der Übergang von Mary Kraus, die den Laden zwölf Jahre lang geführt hatte, hin zur neuen Leiterin Petra Ländner.

In seinem sehr persönlich gehaltenen Rückblick erinnerte Liebendörfer an die Anfänge der erfolgreichen sozialen Einrichtung an der Ecke Untere Gasse/Marktgässle. Mit Dieter Salo, Einzelhandelskaufmann im Lebensmittelbereich, sei sehr schnell ein Leiter gefunden worden. Salo, "Fips" genannt, war fast stadtbekannt als "Onkel" im evangelischen Waldheim, wo seine Mutter kochte - und das sehr gut, wie sich der Dekan an eigene Waldheimzeiten erinnerte.

Salo war sofort bereit, den Job zu übernehmen, das Lokal im Marktgässle wurde angemietet, aber man brachte ehrenamtliche Helfer. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz kurz vor Weihnachten machte der Dekan öffentlich, das die Gesamtkirchengemeinde bereits im Januar einen Tafelladen eröffnen würde. Freiwillige konnten sich ab sofort melden. Das Schaudern über den eigenen Mut war dem Dekan auch nach 15 Jahren noch anzumerken, und dann die Überraschung: Kurz nach der Veröffentlichung gab es so viele Meldungen, das die Öffnung des Ladens keine Probleme mehr bereitete. Damals hieß es, mehr als 40 Ehrenamtliche hätten sich gemeldet.

Eine davon war Gabi Tokai, heute stellvertretende Leiterin des Tafelladens. Sie habe den Aufruf gelesen, die Botschaft "sacken lassen" und sich dann gemeldet. "Bei einem Treffen wurde ich eingeteilt für Donnerstagvormittag", erzählt Tokai, "und der Termin ist bis heute geblieben."

Ehrenamtliche müssen aussortieren, schleppen und mit Kunden können

Zurzeit arbeiten 60 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in Vormittags- und Nachmittagsgruppen im Laden, daraus sind Freundschaften entstanden, verschworene Arbeitsgemeinschaften, die sich auch im Privaten treffen. Immer bereit einzuspringen, wenn irgendwo Personalnot sein sollte. Noch immer sind neun der Anfangshelfer im Dienst, stehen ihre Frau oder ihren Mann. Allen Ehrenamtlichen dankte der Dekan für die alltägliche Arbeit, die nicht immer leicht sei, fürs Schleppen, fürs Aussortieren und auch für den Umgang mit der Kundschaft.

Mit Mary Kraus als neuer Leiterin zog der Laden von der Abgeschiedenheit des Marktgässles in die renovierte Feste Burg. Anfängliche Zweifel am neuen Standort wurden schnell beseitigt. Die neue, exponierte Lage machte den Laden bekannt. Die langen Schlangen vor der Tür ließen auch bisher Unbeteiligte erkennen, dass ein Tafelladen in Böblingen unumgänglich war.

"Heute läuft der Laden super, nicht zuletzt dank ihrer Mitarbeit", wandte sich der Dekan an die Anwesenden. Auch die neue Leiterin empfinde er als ein großes Glück. Petra Ländner kannte er schon als Kirchengemeinderätin auf dem Goldberg, als Vorsitzende des Bezirksjugendwerkes, also als eine Persönlichkeit, die sowohl mit Kirche als auch mit Ehrenamtlichen vertraut sei. So sei er froh, eine tolle Nachfolgerin für Mary Kraus gefunden zu haben.

Petra Ländner umriss im Anschluss kurz ihren Lebenslauf. In Würzburg ist sie geboren, die Fränkin machte eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und war jahrzehntelang bei HP in mehreren Funktionen tätig. Nach einigen Jahren bei der Uni Hohenheim sei ihr Vertrag dort ausgelaufen. "Und so bin ich jetzt im Tafelladen - bereit, Neues anzugehen."

Zum Abschluss wünschte der Dekan allen einen genussvollen schönen Abend und dem Tafelladen für die nächsten Jahre erfolgreiches Arbeiten. In seinen Dank schloss er auch das Sindelfinger Martinslädle mit ein, mit dem der Böblinger Läden eine erfolgreiche "Zweckgemeinschaft" beim Holen und Verteilen der Ware betreibe.

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