Schon jetzt beginnt die Vorfreude

Brahms-Klavierwettbewerb jetzt Partner des Internationalen Pianistenfestivals Böblingen - Preisträgerin Fuko Ishii kommt 2022

  • img
    Bild 1 von 2
    Der Zauber der Tasten: Das Pianistenfestival verspricht in den kommenden Jahren noch attraktiver zu werden Foto: Johannes Plenio/Unsplash
  • Bild 2 von 2
    Der Böblinger Festivalleiter Ulrich Köppen, Preisträgerin Fuko Ishii und Jacob Leuschner (von links) Foto: HfM Detmold/Plettenberg

Das Böblinger Pianistenfestival 2020 ist noch keine drei Wochenenden alt. Dennoch freut sich Festivalleiter Ulrich Köppen schon jetzt auf die kommenden Jahre. Mit dem Brahms-Klavierwettbewerb in Detmold ist die Böblinger Konzertreihe zuletzt nämlich eine vielversprechende Partnerschaft eingegangen.

Artikel vom 23. Januar 2020 - 19:36

BÖBLINGEN/DETMOLD (red). Das ostwestfälische Detmold zählt zu jenen Mittelstädten in der so genannten Provinz, die einen wichtigen Beitrag zum blühenden Musikleben in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert geleistet haben - und immer noch leisten. Andere Beispiele sind Weimar oder Meiningen, wo der Liszt-Schüler Hans von Bülow Großartiges leistete. Ebenso sind zu nennen Bayreuth mit Richard Wagner oder das heute fast vergessene Sondershausen, wo Größen wie Max Reger oder Hugo Riemann arbeiteten, der als Erfinder der modernen Musikwissenschaft gilt.

Detmold wurde musikalisch geprägt durch Johannes Brahms, der dort zwei Jahre lebte und arbeitete und seine Freundin Clara Schumann zu Konzerten einlud. In Detmold wurde auch eines der berühmtesten Klavierkonzerte der gesamten Literatur komponiert, nämlich Brahms erstes Klavierkonzert d-Moll op. 15. Bei seiner Uraufführung in Hannover fiel es komplett durch; vielleicht hat es das Publikum zu sehr erschreckt mit seinen plötzlichen, temperamentvollen Ausbrüchen und seiner "unausgewogenen" Form. Eine Kritik in der Zeitschrift "Signale aus der musikalischen Welt" lautete: "Und dieses Würgen und Wühlen, dieses Zerren und Ziehen, dieses Zusammenflicken und wieder Auseinanderreißen von Phrasen und Floskeln muss man über Dreiviertelstunde lang ertragen".

Ein weiterer bedeutender, deutscher Pianist wirkte in Detmold: Hans Richter-Haaser leitet zunächst die Detmolder Sinfoniker. An der 1946 gegründeten Nordwestdeutschen Musikakademie, der heutigen Hochschule für Musik Detmold, erhielt er sogleich einen Lehrauftrag für Klavier und Kammermusik, der 1955 in eine Professur umgewandelt wurde. 1963 gab er dieses Amt jedoch auf, um sich mit aller Intensität seiner internationalen Konzerttätigkeit als Pianist widmen zu können. Seine Brahms- und Beethoveninterpretationen führten ihn in alle großen Musikzentren in der Alten und Neuen Welt.

Seit einigen Jahren gibt es in der Brahms-Stadt Detmold einen Klavierwettbewerb, der jetzt zum ersten Mal mit Orchester stattfand; das bedeutete, dass die drei Finalisten zweimal das erste und einmal das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms spielten, alles hintereinander inklusive zweier Pausen mit einer Gesamtdauer von über drei Stunden. Vorzüglich wurden sie begleitet vom Orchester des Landestheaters Detmold. Die Musikhochschule und natürlich auch die Stadt verfügen über einen wunderbaren, hervorragend klingenden Konzertsaal mit knapp 700 Plätzen, der an diesem sehr langen Oktobersonntag ausverkauft war.

Den ersten Preis gewann mit deutlichem Vorsprung die Japanerin Fuko Ishii, die das zweite Klavierkonzert spielte, das weniger dramatisch, aber dennoch äußerst vielgestaltig und klaviertechnisch ungeheuer anspruchsvoll ist. Der legendäre, ohnehin sehr schlanke Pianist Arthur Rubinstein, erzählte, dass er nach dem fünfzigminütigen Stück stets zwei Kilo verloren hatte.

Ulrich Köppen, Leiter des Internationalen Pianistenfestivals in Böblingen und Beobachter vor Ort: "Die Gewinnerin des ersten Preises hat uns alle überzeugt durch ihre phänomenale technische Souveränität, ihr Temperament, ihre Fähigkeit, die verschiedensten musikalischen Stimmungen zu artikulieren und Führungsimpulse an das Orchester zu geben."

Ishii (28) ist bereits eine fertige Solistin und erhält ihren letzten Schliff zu Zeit an der Hochschule in Basel, wo sie von Professor Prof. Claudio Martínez Mehner unterrichtet wird; er studierte unter anderem bei Lev Vlassenko am Moskauer Konservatorium und war damals Kommilitone unserer Pianistin Alexandra Neumann.

Böblinger Publikum kennt und schätzt Wettbewerbsleiter Leuschner

Leiter des Brahms-Klavierwettbewerbs ist Prof. Jacob Leuschner, der in Böblingen bereits mit seiner tiefgründigen Interpretation der Diabelli-Variationen von Beethoven begeisterte und 2021 die Goldberg-Variationen von Bach spielen wird. Das Pianistenfestival ist neuer Partner des Brahms-Wettbewerbes in Detmold und Fuko Ishii wird 2022 mit einem Soloabend in der Kongresshalle gastieren. Voraussichtlich wird der programmatische Schwerpunkt deutsche Romantik vor 1850 sein, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten so bedeutende Komponisten wie Franz Schubert, Robert Schumann, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Louis Spohr, E.T.A. Hoffmann, Carl Maria von Weber und viele andere.

Die Jury der Finalrunde 2019, bestehend aus den Hochschulprofessoren Andrea Bonatta (Bozen), Konrad Elser (Lübeck), Mamiko Suda (Tokyo), Jacob Leuschner (Detmold), dem Brahms-Spezialisten Andreas Boyde (London) sowie dem Detmolder Generalmusikdirektor Lutz Rademacher, kam zu dem Entschluss, den ersten Preis in Höhe von 5000 Euro an die japanische Pianistin Fuko Ishii (28) und den zweiten in Höhe von 3000 Euro an Rie Kibayashi (30) zu vergeben. Der dritte Preis wurde explizit nicht vergeben. Kibayashi, die ebenso aus Japan stammt und in Karlsruhe studiert, erhielt zudem einen Sonderpreis für die beste Interpretation eines Werkes von Clara Schumann in Höhe von 1000 Euro.

Neben den Preisgeldern wurden zahlreiche Anschlussengagements für die Preisträgerinnen in Aussicht gestellt: Fuko Ishii wird unter anderem mit dem Detmolder Kammerorchester 2020 im historischen Kaisersaal in Schloss Corvey auftreten. Sie Weiterhin erhält sie eine Einladung für ein Recital vom Internationalen Pianistenfestival Böblingen. Auch Rie Kibayashi darf sich auf prestigeträchtige Auftritte freuen.

"Die Anzahl der Folgeengagements ist im Vergleich zum letzten Mal gestiegen", resümierte der Künstlerische Leiter Jacob Leuschner. "Neben dem Preisgeld werden den Finalisten auch Brücken für ihre Zukunft in Form von Konzertengagements und CD-Produktionen gebaut."

Beim dritten Konzert des Internationalen Pianistenfestivals in der Böblinger Kongresshalle am heutigen Freitag, 24. Januar, um 20 Uhr präsentiert der Koreaner Honggi Kim Robert Schumanns Davidsbündler Tänze op. 6 / Papillons op. 2, von Frédéric Chopin den Walzer op.42 in As-Dur / 3 Mazurken op. 56 / Rondo à la Mazur op.5 sowie von Maurice Ravel die Komposition La Valse. Es gibt nur noch wenige Restkarten.
Verwandte Artikel