Der goldne Topf als Discokugel

Esslinger Ensemble präsentiert moderne Version des Hoffmann-Klassikers in Böblingen

  • img
    Der Städtische Feierraum wird zum Klassenzimmer: Württembergische Landesbühne Esslingen präsentiert "Der goldne Topf" als moderne und ideenreiche Inszenierung Foto: Benita Koch

Artikel vom 23. Januar 2020 - 19:36

Von Bentia Koch

BÖBLINGEN. "Der goldne Topf" von E.T.A. Hoffmann hat schon zahlreiche Schülergenerationen beschäftigt. Das romantische Kunstmärchen ist auch heute noch fester Bestandteil auf vielen Lehrplänen. Die Regisseurin Jenke Nordalm hat die Vorlage mit einem jungen Ensemble der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB) zeitgemäß für die Bühne überarbeitet.

Vergangene Woche hat die WLB das Stück im Rahmen der Gastspielreihe der DAT-Kunstschule im restlos ausverkauften Städtischen Feierraum präsentiert (DAT steht für Dance, Art, Theater). Das vorwiegend jugendliche Publikum sah eine moderne Inszenierung mit Livemusik, knalligen Kostümen und Stroboskop-Effekten.

Mit viel Elan legten die Schauspieler, welche in diesem Moment die Rolle des Erzählers einnahmen, direkt los: "Am Himmelfahrtstage, nachmittags um drei Uhr, rannte ein junger Mensch in Dresden durchs Schwarze Tor, und geradezu in einen Korb mit Äpfeln hinein . . .", zitierten sie die berühmten Anfangszeilen von Hoffmans wohl erfolgreichstem Werk. Der genannte Student taucht wenig später in lässigem Hemd und grauer Beanie-Mütze auf der Bühne auf.

Die Handlung kennen die jungen Zuschauer bereits aus dem Unterricht: Student Anselmus (Julian Häuser) ist ein echter Tollpatsch. Als ihm mal wieder ein lästiges Missgeschick passiert, lässt er sich unter einem Holunderbaum nieder. Über sich hört er plötzlich eine wundersame Stimme. Sie gehört Serpentina (Mira Leibold). Sofort verliebt er sich in die blauäugige Schlange.

Nur kurze Zeit später schickt der Konrektor Paulmann (Daniel Grosskämper) ihn aber zu Archivarius Lindhorst (Timo Beyerling) um für ihn zu arbeiten. Bei diesem Treffen setzt Veronika (Alessandra Bosch), die Tochter des Konrektors, sich in den Kopf, Anselmus zu heiraten. Diesen Plan versucht sie mit allen Mitteln in die Tat umzusetzen. So beginnt die Reise in eine Welt voller magischer Kräfte, Geister und Zauberwesen.

Das überzeugende Spiel der Darsteller und die ideenreiche Inszenierung - der goldne Topf wird hier zum Beispiel in Form einer Discokugel dargestellt - machen das mehr als 200 Jahre alte Werk auch einem modernen Publikum zugänglich. Das sehen auch die jungen Zuschauer so: "Ich fand es gut, dass es neuer gestaltet wurde. Auch mit der Musik", sagt Cosima Rade. Die 17-Jährige spielt selbst Theater an der DAT-Kunstschule. Zuletzt war sie in einer Hauptrolle in "Lilly unter den Linden" zu sehen. Wie viele andere im Publikum an diesem Freitagabend, hat auch sie das Märchen im Unterricht behandelt.

Gastspiele wie dieses haben 2017 zusammen mit Schulleiterin Prisca Maier-Nieden ihren Weg an die DAT gefunden. "Für jeden soll etwas dabei sein", sagt die Theaterpädagogin. Deshalb achtet Prisca Maier-Nieden genau darauf, eine breite Palette zu füllen und jede Altersklasse zu bedienen. So steht am 9. und 10. Februar bereits das nächste Gastspiel an: Das Junge Ensemble Stuttgart (JES) präsentiert die Inszenierung "Nebensache". Darin geht es um die Bedeutung von "Glück". Das Stück ist für Kinder ab sechs Jahren geeignet.

Kinder ab zehn Jahren können sich im März auf eine weiteres Gastspiel im Städtischen Feierraum freuen: Am 8. und 9. März gibt es dort die JES-Inszenierung "Nina und Paul" zu sehen. Hier geht es um zwei Kinder, die dem letzten Schultag mit gemischten Gefühlen entgegenfiebern. Schließlich warten nach den Sommerferien eine neue Schule und getrennte Wege auf die beiden.

Weitere Infos zum DAT-Theater unter http://kunstschule.boeblingen.de im Netz.
Verwandte Artikel