Kreativer Umgang mit der Vergangenheit

15 Schülergruppen beteiligten sich beim Wettbewerb "Mein Ort hat Geschichte" und lieferten beachtliche Beiträge

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    Forscher in der Schulgeschichte: Die Gruppe der Paul-Lechler-Schule in Böblingen Foto: red

"Mein Ort hat Geschichte" - unter diesem Motto hatte das Kreismedienzentrum einen Wettbewerb an den Schulen im Landkreis ausgeschrieben, bei dem Schülerinnen und Schüler aufgefordert waren, sich mit einem historischen Thema aus ihrem Wohnort oder dem näheren Umfeld zu beschäftigen. Jetzt war Preisverleihung.

Artikel vom 30. Dezember 2019 - 16:06

KREIS BÖBLINGEN (red). Das Thema selbst sowie die Form der Aufarbeitung war den Teilnehmern freigestellt und bot viele Möglichkeiten für kreative Ansätze, heißt es in einer Pressemitteilung. Am letzten Schultag des Jahres, fand die offizielle Preisverleihung statt.

"Zwei Tage vor Ende der Abgabefrist war bei mir noch kein einziger Beitrag eingegangen", erzählt Markus Faulhaber. Dennoch hatte der Leiter des Böblinger Medienzentrums, bis zuletzt die Hoffnung nicht aufgegeben. Zurecht, denn dann ging es auf einmal Schlag auf Schlag und schließlich zählte er am Ende 15 Wettbewerbsbeiträge, die alle noch rechtzeitig angekommen waren. "Na ja, man kennt das ja von sich selbst", meinte er schmunzelnd, "man liefert halt meistens erst auf den letzten Drücker."

Die vierköpfige Jury hatte also viel zu tun, bis sie sich durch die teilweise umfangreichen Beiträge durchgearbeitet hatte. Neben Faulhaber waren das Christian Müncheberg, Fachberater Geschichte an Gymnasien am Regierungspräsidium Stuttgart, Kreisarchivarin Debora Fabriz und die Historikerin Susanne Kittelberger, die für den Landkreis das Internet-Projekt "Zeitreise-BB" betreut.

Beeindruckt zeigte sich die Jury vor allem von der Vielzahl der Themen und Präsentationsformen, die die Schüler für ihre Wettbewerbsbeiträge ausgewählt hatten. Einige Arbeitsgruppen nahmen markante Gebäude wie die Kirchen in Leonberg oder Magstadt ins Visier, andere beschäftigten sich mit Themen wie der Moschee in Renningen, der Geschichte der Böblinger Juden oder führten Interviews mit Zeitzeugen der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg. Auch das Spektrum der Schularten war beachtlich: neben Gemeinschaftsschulen, Realschulen und Gymnasien beteiligten sich Arbeitsgruppen vom Berufsschulzentrum Leonberg und ein Sonderpädagogisches Bildungs-und Beratungszentrum.

"Eigentlich hätte jeder Beitrag einen Preis verdient", meinte Markus Faulhaber, als er nach der Begrüßung zur Preisvergabe überleitete, "aber ohne Preise wäre es kein Wettbewerb". Trotzdem kam die Jury mit den ursprünglich angedachten drei Preisen nicht aus und entschied sich dafür, noch zwei Sonderauszeichnungen zu vergeben.

Die erste ging an die Lehrerin der Klasse 6a der Friedrich-Schiller-Realschule in Böblingen, Ann-Kristin Nothacker, die die Ergebnisse der Recherchen ihrer Schüler zur Geschichte der Böblinger Hulb "vom Jagd- und Zerlegungsplatz bis zum Industriegebiet" vorbildlich für die Präsentation aufgearbeitet hatte.

Den zweiten Sonderpreis übergab Christian Müncheberg an eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus einer 10. Klasse des Otto-Hahn-Gymnasiums in Böblingen, die das Thema des schrecklichen Bombenangriffs vom 7. Oktober 1943 in Form eines Tagebuchs aufgearbeitet hatte, dessen "außergewöhnliche literarische Qualität" er herausstrich und die die Jury unbedingt prämieren wollte.

Ein fiktives Interview über die Rolle der Zeitungen im 3. Reich

Auch bei der Vergabe des Dritten Preises hatte man, so Susanne Kittelberger, "die Qual der Wahl". Nach längerer Diskussion hatte man sich dazu entschlossen, ihn "salomonisch" zwischen einer Arbeitsgruppe der Klasse 8a der Johannes-Kepler-Gemeinschaftsschule und Neeshka Chavan und Jarno Adam aus der Klasse 9a im Gymnasium Unterrieden in Sindelfingen zu teilen. Beide Schülergruppen hatten das Thema der Deportation der Magstadter Sinti im Jahre 1943 aufgegriffen und in ganz unterschiedlicher Form aufgearbeitet.

Leichter tat sich die Jury dagegen bei der Vergabe des zweiten Preises an die Klasse 6 der Paul-Lechler-Schule in Böblingen (SBBZ Lernen), die sich umfassend mit der Geschichte ihrer Schule, der ehemaligen Pestalozzischule, beschäftigt hat.

Der erste Preis ging schließlich unumstritten an den ambitionierten Beitrag "Mystery History - waren unabhängige Zeitungen während des Dritten Reichs wirklich unabhängig?" von Amelie Weber und Jule Respontek aus den Klassen 9a und 9b des Gymnasiums Unterrieden in Sindelfingen. Sie hatten das komplexe Thema in Form eines fiktiven Interviews als Hörbuch abgehandelt.

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