Stadtbibliothek in Böblingen präsentiert: Drei Ausstellungen zu "Brandherden"

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    Eine der Ausstellungen beschäftig sich mit den Bücherverbrennungen während der NS-Zeiten F: red

Artikel vom 20. November 2019 - 12:42

BÖBLINGEN (red). Nein, in der Stadtbibliothek Böblingen züngeln keine echten Flammen. Es gibt jedoch drei thematische Brandherde, dargestellt durch Medienausstellungen, die ein Kernthema haben: Meinungen und ihr Ausdruck, teils lodernd vertreten, teils vom Feuer verschlungen. Die Ausstellungen laufen seit Beginn der Woche und sind noch bis zum Dienstag, 17. Dezember, zu den üblichen Öffnungszeiten der Stadtbibliothek "Im Höfle" zu sehen.

"Verbrannte Autoren" würdigt die Schriftsteller, deren Bücher 1933 bei den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten den Flammen zum Opfer gefallen sind. Die Ausstellung greift die Feuersymbolik auf wörtliche, teils schmerzhafte Weise auf und soll daran erinnern, wie Zensur und eine Beschneidung der Meinungsfreiheit dazu beitragen kann, eigenständiges Denken zu unterdrücken. Teils wegen ihres Glaubens, teils wegen ihrer Herkunft, teils wegen des Inhalts ihrer Bücher verbrannt, stehen die Werke dieser Schriftsteller im Mittelpunkt.

"Wie Feuer und Wasser" können politische Strömungen erscheinen und so überrascht es nicht, dass Links und Rechts des Öfteren aneinander geraten. Gerade in der heutigen Zeit werden Diskussionen immer hitziger, es kommt zu Auseinandersetzungen, Streit und Gewalt. Politische Debatten werden oft sehr leidenschaftlich geführt. Doch wann wird diese Leidenschaft mehr als nur glühend, wann geht der eigene Standpunkt über in den Unwillen, den Anderen zu hören oder verbal über die Stränge zu schlagen? "Wie Feuer und Wasser" ist eine Medienausstellung, die versucht, sich diesem Thema zu nähern. Bücher von und über Politiker, politische Strömungen, Extreme und Meinungen geben einen Überblick über Links und Rechts - immer auf der Suche nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten.

"Brennende Zerstörungswut" stellt eine dritte, ganz aktuelle Seite zur Schau: zerstörte Medien in der Böblinger Stadtbibliothek. Hier sind es zwar nicht nur lodernder Hass oder politische Leidenschaft, sondern auch Unvorsicht, Egoismus, Spaß an der Zerstörung und die eigenen Launen, die zur Zerstörung führen. Doch oft ist es eben auch der Wille, Andersdenkende zu zensieren, der hinter der Zerstörung der Medien steht. Damit verbindet "Brennende Zerstörungswut" die beiden anderen Ausstellungen. Sie zeigt, wie hier, in der Böblinger Stadtbibliothek, versucht wird, die vorurteilsfreie Meinungsbildung anderer und Andersdenkender zu behindern, und schlägt damit eine Brücke in die Gegenwart und den Alltag.

Ab 10. Dezember sind die ausgestellten Medien ausleihbar. Zusätzlich liegen Literaturlisten aus, die den Kern der Ausstellungen noch einmal zusammentragen.

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